Deutsche Litteraturdenkmale

Bernhard Seuffert entwarf 1880 den Plan zu einer Neudruckreihe, die als Deutsche Litteraturdenkmale des 18. Jahrhunderts (DLD) von 1881 bis 1890 im Heilbronner Verlag der Gebrüder Henninger erschien. 1891 übernahm August Sauer die Herausgabe der Reihe. Insgesamt erschienen bis 1924 in wechselnden Verlagen 151 Nummern.

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Korrespondenz Zitat Kommentar
Karte von August Sauer an Bernhard Seuffert in Würzburg am 31. Dezember 1880. Freitag Zitat AS

Dass wir alle Ihre Neudrucke sehnlichst erwarten und freudig begrüßen werden, brauche ich Ihnen nicht zu versichern; bes. wir an den Grenzen der Civilisation postirten ‚Pionniere‘.

Die Neudruckprojekte zeigen den editorischen Pioniergeist gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Sie entstanden aber auch aus dem Bedürfnis, schwer erreichbare und zugleich bedeutende Primärliteratur für den Gebrauch an Gymnasien sowie als Studienmaterial für die Übungen in den germanistischen Universitätsseminaren zugänglich zu machen.

Karte von Bernhard Seuffert an August Sauer in Lemberg am 20. Januar 1882. Freitag Zitat BS

Ich kann beim abschluss dieser berührung den wunsch u. die bitte nicht unterdrücken, sie möge sich als andauernde verbindung bewähren.

Sauer rezensierte nicht nur die ersten fünf Bände der DLD, sondern bearbeitete auch mehrere Bände der Reihe. Seuffert hoffte auf eine weitere Zusammenarbeit.

Karte von Bernhard Seuffert an August Sauer in Wien am 10. April 1882. Montag Zitat BS

Umgehend beantworte ich Ihre fragen dahin, dass ich kaum schon im nächsten jahre etwas österr. in meinen DLD bringen werde, es müsste denn sein, dass Sie durch Ihre genauere kenntnis dieses mir schwer zugänglichen gebietes mir ein dringend des neudrucks wertes werk nachweisen. Später aber kommen sicher auch Austriaca u. es wäre mir offen gestanden sehr fatal und würde meine verleger in verzweiflung setzen, wenn Sie wie ich zwischen Ihren zeilen zu lesen glaube, ein eigenes österr. unternehmen der art gründen wollten.

August Sauer erkundigte sich, ob in der von Bernhard Seuffert herausgegebenen Neudruckreihe Deutsche Litteraturdenkmale (DLD) auch österreichische Texte erscheinen würden. Hintergrund von Sauers Anfrage war die geplante Reihe Wiener Neudrucke, in der Sauer Texte der österreichischen Literaturgeschichte des 16. bis 19. Jahrhunderts publizierte.

Brief von Bernhard Seuffert an August Sauer in Lemberg am 10. Juni 1882. Samstag Zitat BS

Ihre vertrauliche mitteilung nehme ich gar nicht tragisch. Selbst mit Ihnen als mitarbeiter wird die Spemannsche bibliothek den DLD nicht gefährlich werden können;

Sauer übernahm mehrere Ausgaben in Joseph Kürschners Editionsreihe Deutsche Nationallitteratur, die deutsche Texte von den Anfängen bis zur Goethezeit für ein größeres Publikum aufbereitete. Zwischen 1882 und 1899 erschienen 164 Bände im Stuttgarter Verlag W. Spemann sowie der Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Sauer fürchtete, Seuffert durch die Mitarbeit zu verärgern. Dieser fürchtete die Konkurrenz der Nationallitteratur jedoch nicht.

Brief von August Sauer an Bernhard Seuffert in Würzburg am 13. Juni 1882. Dienstag Zitat AS

Dass Speemannsche Sammlungen Ihrem Unternehmen nicht schaden, ist auch meine Überzeugung. […] Wenn der Ton meines letzten Briefes mehr entschuldigend als blos mitteilend war, so wollte ich auch den Schein vermeiden oder beseitigen, als ob ich Ihnen ins Handwerk pfuschen möchte.

Auch Sauer sah keine Konkurrenz zwischen den beiden Projekten.

Karte von Bernhard Seuffert an August Sauer in Lemberg am 6. April 1883. Freitag Zitat BS

Scherer, mein berater, sprach sich sehr entschieden gegen den neudr. aus, u. so ward er zurückgestellt, obwol ich nicht ganz abgeneigt war.

Wilhelm Scherer nahm lebhaften Anteil an der Konzeption und inhaltlichen Ausrichtung von Seufferts Neudruckreihe DLD. Er befürwortete den Neudruck von Texten, die sowohl selten als auch literaturgeschichtlich bedeutsam waren. Zugleich waren Seuffert und er um ein abwechslungsreiches Programm bemüht, das den Absatz sichern sollte. Scherer hatte Seuffert davon abgeraten, einen Neudruck der anonymen Posse Ollapatrida Fuchsmundi (1711) herauszugeben, die damals noch dem Schauspieler Joseph Anton Stranitzky zugeschrieben wurde. August Sauer brachte den Band jedoch 1886 in seiner Neudruckreihe WND heraus.

Brief von August Sauer an Bernhard Seuffert in Würzburg am 14. Juni 1886. Montag Zitat AS

Sie opfern so viele Zeit der Sammlung Ihrer Neudrucke, Zeit, die Ihnen (wie mir bei der meinigen) doch eigentlich für die eigene Arbeit entgeht, wenn Sie diese auch noch so energisch fördern. Wollen Sie beides bewältigen? Wenigstens sollen Sie sich für die DLD inzwischen eine Hilfskraft nehmen[;] ich komme immer mehr zur Einsicht, daß man mechanische Arbeiten wie Abschriften etc. ganz von sich abwälzen soll und auch bei dem Correcturlesen sich so viel als möglich helfen lassen soll.

Sauer versuchte Seuffert zu motivieren, sich für die Arbeit an den DLD eine Hilfskraft zu nehmen.

Brief von Bernhard Seuffert an August Sauer in Prag am 21. Juni 1886. Montag Zitat BS

Ihren rat einen teil der arbeit abzuwälzen kann ich auch nicht befolgen. Statt meine aufsicht einzuschränken, habe ich sie von heft zu heft gesteigert, wenigstens neuen mitarbeitern gegenüber, habe die vorreden stark beeinflusst, den druck mit den originalen verglichen und gesehen, wie dringend notwendig das war. Danken wird mirs niemand, als die sache selbst. Nach diesen erfahrungen, die für die methodische bildung mancher männer guten namens recht betrübend sind, kann ich mich erst recht nicht entschliessen, einen hilfsarbeiter anzunehmen, selbst wenn sich einer fände, der mir verlässig genug schiene. Auch halte ich es für verdammte pflicht und schuldigkeit, wenn ich als herausgeber der sammlung figuriere, es auch zu sein.

Seuffert hatte jedoch als Herausgeber der DLD ein hohes Arbeitsethos.

Brief von Bernhard Seuffert an August Sauer in Prag am 7. Februar 1891. Samstag Zitat BS

Und auf Sie als nachfolger habe ich es abgesehen. Ich möchte nicht, dass die sammlung in schlechte hände gerät. Sie haben die grösste herausgebererfahrung; Sie kennen speciell die bisherige führung der DLD genau genug um zu wissen, wo sie zu bessern wo sie beizubehalten ist; Sie können Ihre Wiener neudrucke damit verbinden, die doch an Konegen keinen förderer haben; in jedem betracht würde es der sache am nützlichsten und mir am tröstlichsten sein, wenn Sie die sammlung übernehmen. Man hat doch eine gewisse liebe zu so einem langjährigen pflegling und möchte ihn nur dem besten vater übergeben. […] Was soll ich weiter sagen? bitte, bitte, sagen Sie nicht nein.

Seuffert wünschte sich Sauer als Nachfolger, der 1891 tatsächlich die Herausgabe der DLD übernahm. Es kam auch zu einem Verlagswechsel: Von 1891 bis 1899 erschien die Reihe im Verlag G. J. Göschen (Stuttgart und Leipzig).

Brief von August Sauer an Bernhard Seuffert in Graz am 14. Februar 1891. Samstag Zitat AS

Sie sollen sich in [m]ir nicht geteuscht haben, ich werde mich Ihres Vertrauens würdig zu beweisen trachten und werde Ihr Kind pflegen, so gut ich kann.

Sauer versicherte, dass er sich als Nachfolger der DLD würdig erweisen werde.

Karte von Bernhard Seuffert an August Sauer in Prag am 24. Mai 1895. Freitag Zitat BS

Ich verstehe mich aufs geschäftliche nicht, wie die VJS u. die DLD beweisen.

Nachdem Seuffert zwei seiner Projekte als Herausgeber beendet hatte, kam er zu dem Schluss, dass er für die geschäftliche Seite der Redaktionstätigkeit nicht geeignet sei.

Brief von August Sauer an Bernhard Seuffert in Graz am 28. Februar 1899. Dienstag Zitat AS

Daß die DLD mit dem Göschenschen Verlag in den von Behr in Berlin übergegangen sind, wissen S[ie] wahrscheinlich schon. Es ist eine einsilbige Firma: E. Behrs Verlag (A. Bock), Besitzer Dr. Bloch. Nach Elias’ Versicherung soll der gegenwärtige Besitzer sehr anständig und verständig sein. Er will die Samml. fortsetzen;

Ab 1900 erschienen die DLD im Berliner Verlag B. Behr, wo sie Sauer noch bis 1904 herausgab. Nach seinem Ausscheiden wurde auf den Titelblättern der DLD kein verantwortlicher Herausgeber mehr ausgewiesen. Insgesamt erschienen zwischen 1881 und 1924, als B. Behr die Reihe einstellte 128 Nummern in 85 Bänden.

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