Brief von Bernhard Seuffert an August Sauer in Prag am 7. Oktober 1899. Samstag

Graz 7 X 99

Lieber freund, Vielen dank für Ihren inhaltsreichen brief. Ich freue mich, dass Euphorion fürs nächste gesichert ist u. hoffe, dass er sich inzwischen weiter kräftigt, um auf eignen füssen dann stehen zu können. An die recensionen gehe ich sicher diesen winter. Jetzt bin ich mit vorbereitungen fürs colleg und die schwierigen metrischen seminarübungen beschäftigt. Daneben schreibe ich einen aufsatz, der etwa den titel führen wird: Philologische betrachtungen im anschluss an Goethes Werther. Ich weiss nicht, ob er Ihnen für Ihre zs. taugt.  Steinmeyer sagte mir in Erlangen, für kleinere bibliotheken seien die beihefte des Euph. verhängnisvoll; diese müssten mit festen sätzen für periodica arbeiten u. könnten dann doch auf die beihefte nicht verzichten, weil das werk sonst unvollständig sei. Ich sehe ein, dass er damit nicht ganz unrecht

<p>Graz 7 X 99<lb/><lb/>Lieber freund, Vielen dank für Ihren inhaltsreichen brief. Ich freue mich, dass Euphorion fürs nächste gesichert ist u. hoffe, dass er sich inzwischen weiter kräftigt, um auf eignen füssen dann stehen zu können. An die recensionen gehe ich sicher diesen winter. Jetzt bin ich mit vorbereitungen fürs colleg und die schwierigen metrischen seminarübungen beschäftigt. Daneben schreibe ich einen aufsatz, der etwa den titel führen wird: Philologische betrachtungen im anschluss an Goethes Werther. Ich weiss nicht, ob er Ihnen für Ihre zs. taugt.  Steinmeyer sagte mir in Erlangen, für kleinere bibliotheken seien die beihefte des Euph. verhängnisvoll; diese müssten mit <hi rend="underlined">festen</hi> sätzen für periodica arbeiten u. könnten dann doch auf die beihefte nicht verzichten, weil das werk sonst unvollständig sei. Ich sehe ein, dass er damit nicht ganz unrecht
hat; gerade gymnasialbibliotheken wird das treffen. Andererseits kann ich nicht zum verzicht auf beihefte raten, die bibliotheken sollen eben von vornherein darauf rechnen. Oder ist ihnen dann der preis zu hoch?  Das verbleiben der zs. bei Fromme halte ich für einen grossen gewinn, es macht den eindruck der stetigkeit. Steinmeyer sprach sich sehr für das fortleben und die notwendigkeit der zs. aus.
 Die DLD sind also auch weiterhin gesichert. Ihr grosses programm enthält sehr hübsche sachen. Das repertoire zur Dramaturgie wird in einigen stücken allerdings auch nicht seltenes bringen; so ist gleich Weisse doch billig zu haben. Sollte man nicht die gymnasiallesebücher durchsehen, welche stellen aus der Dram. sie bringen und nur dazu das repertoire vorlegen? es werden nicht zu viele variationen da sein.
 
<pb/>hat; gerade gymnasialbibliotheken wird das treffen. Andererseits kann ich nicht zum verzicht auf beihefte raten, die bibliotheken sollen eben von vornherein darauf rechnen. Oder ist ihnen dann der preis zu hoch?  Das verbleiben der zs. bei Fromme halte ich für einen grossen gewinn, es macht den eindruck der stetigkeit. Steinmeyer sprach sich sehr für das fortleben und die notwendigkeit der zs. aus.<lb/> Die DLD sind also auch weiterhin gesichert. Ihr grosses programm enthält sehr hübsche sachen. Das repertoire zur Dramaturgie wird in einigen stücken allerdings auch nicht seltenes bringen; so ist gleich Weisse doch billig zu haben. Sollte man nicht die gymnasiallesebücher durchsehen, welche stellen aus der Dram. sie bringen und nur dazu das repertoire vorlegen? es <unclear reason="illegible">werden</unclear> nicht zu viele variationen da sein.<lb/>
Für Goethes Gedichte habe ich einen alten wunsch: eine chronologisch geordnete reihe aller ersten fassungen; das wäre sehr instructiv. Die Bremer beiträge haben nicht eile, dünkt mich. ????? v. König vermisse ich seit langem, er ist antiquarisch u. in bibliotheken kaum aufzutreiben u. müsste doch einmal besser gekannt werden; ein heft dichtungen, ein heft seiner dichterbiographien. Minor hat einmal Novalis‘ Blütenstaubfragment vorbereitet, als ich noch die DLD leitete u. mit ihm überquer kam. usw. Den ältesten text der Zauberflöte konnte ich auch in Wien (Univ.bibl.) nicht auftreiben. Überhaupt oper u. operntheorie wäre nicht schlecht: es ist alles unbekannt u. nicht alles mit recht. Sie erlauben mir vielleicht, was mir beim arbeiten einfällt, Ihnen zu nennen.
 Mein wegbleiben von Bremen habe ich also nicht zu bedauern. Empfehlen Sie uns Ihrer verehrten frau.
 
<pb/>Für Goethes Gedichte habe ich einen alten wunsch: eine <hi rend="underlined">chronologisch</hi> geordnete reihe aller <hi rend="underlined">ersten</hi> fassungen; das wäre sehr instructiv. Die <unclear reason="illegible">Bremer</unclear> beiträge haben nicht eile, dünkt mich. <unclear reason="illegible">?????</unclear> v. König vermisse ich seit langem, er ist antiquarisch u. in bibliotheken kaum aufzutreiben u. müsste doch einmal besser gekannt werden; ein heft dichtungen, ein heft seiner dichterbiographien. Minor hat einmal Novalis‘ Blütenstaubfragment vorbereitet, als ich noch die DLD leitete u. mit ihm überquer kam. usw. Den ältesten text der Zauberflöte konnte ich auch in Wien (Univ.bibl.) nicht auftreiben. Überhaupt oper u. operntheorie wäre nicht schlecht: es ist alles unbekannt u. nicht alles mit recht. Sie erlauben mir vielleicht, was mir beim arbeiten einfällt, Ihnen zu nennen.<lb/> Mein wegbleiben von Bremen habe ich also nicht zu bedauern. Empfehlen Sie uns Ihrer verehrten frau.<lb/>
Zwierzina wird wol nach Freiburg kommen. Mit den besten grüssen u. wünschen fürs semester
 treulich Ihr ergebener
 BSfft.
<pb/>Zwierzina wird wol nach Freiburg kommen. Mit den besten grüssen u. wünschen fürs semester<lb/> treulich Ihr ergebener<lb/> BSfft.</p>

Die Zeitschrift verblieb beim Verlag Carl Fromme.

Das verbleiben der zs. bei Fromme halte ich für einen grossen gewinn, es macht den eindruck der stetigkeit. Steinmeyer sprach sich sehr für das fortleben und die notwendigkeit der zs. aus.

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