Brief von Bernhard Seuffert an August Sauer in Prag am 4. August 1892. Donnerstag

 Graz 4.8.92

Lieber freund  Vor allem nehmen Sie meinen und meiner frau herzlichen glückwunsch zur bevorstehenden vermählung an: möge Ihre ehe so glücklich sein wie unsere! ich kenne keine ! höheren wunsch. Möge ihr all das bittere leid verspart bleiben, das uns ward, obwol auch im leid das glück der zusammengehörigkeit sich bewährt. – –
 Hauffen ist Ihnen zuvorgekommen, das ist eine missliche empfindung, wie ich aus eigner erfahrung weiss, da ein naher freund sich später verlobte und früher verehelichte als ich. Aber das muss ertragen sein.
 Schönbach stärkt sich in Schruns; er hatte es noch recht nötig als er abfuhr von hier, die reise hat ihn ausserordentlich angestrengt. Glücklicher weise ahnt er nicht, wie viel sorge er uns diesen sommer bereitete. Ich setze alle hoffnung auf seinen jetzigen aufenthalt.
 Gurlitt residiert mit seiner familie im Kroisbachschlössel, dessen Sie sich wol noch erinnern. Bauer sitzt bei seiner frau und hält sie in ruhe, damit das christkindlein dieses hauses ordentlich gedeihe. Willy freut sich aufs schwesterchen.
 

<p> Graz 4.8.92<lb/><lb/>Lieber freund  Vor allem nehmen Sie meinen und meiner frau herzlichen glückwunsch zur bevorstehenden vermählung an: möge Ihre ehe so glücklich sein wie unsere! ich kenne keine <supplied>!</supplied> höheren wunsch. Möge ihr all das bittere leid verspart bleiben, das uns ward, obwol auch im leid das glück der zusammengehörigkeit sich bewährt. – –<lb/> Hauffen ist Ihnen zuvorgekommen, das ist eine missliche empfindung, wie ich aus eigner erfahrung weiss, da ein naher freund sich später verlobte und früher verehelichte als ich. Aber das muss ertragen sein.<lb/> Schönbach stärkt sich in Schruns; er hatte es noch recht nötig als er abfuhr von hier, die reise hat ihn ausserordentlich angestrengt. Glücklicher weise ahnt er nicht, wie viel sorge er uns diesen sommer bereitete. Ich setze alle hoffnung auf seinen jetzigen aufenthalt.<lb/> Gurlitt residiert mit seiner familie im Kroisbachschlössel, dessen Sie sich wol noch erinnern. Bauer sitzt bei seiner frau und hält sie in ruhe, damit das christkindlein dieses hauses ordentlich gedeihe. Willy freut sich aufs schwesterchen.<lb/>
Ich wollte jetzt auf dem lande sein mit frau und kind. Aber ich fand nicht rasch einen passenden ort, da ich unkundig bin und zu lange säumte; jetzt ward ich unwol und muss noch etwas ruhe halten. Ob dann das wetter und die jahreszeit gut genug sind mit dem einjährigen knaben den ort zu wechseln, warte ich ein paar tage notgedrungen ab. Der zahnarzt hält mich fest.
 Zugleich schicke ich Ihnen etwas Grillparzerisches. Mir ist der gesuchte stil so zuwider, dass ich den inhalt kaum verstehe. Vielleicht und hoffentlich behagt das kunststück Ihnen besser. Auch ein Gleim-Kleistbrief liegt bei.
 Und nun, wenn Sie in den hochzeitsvorbereitungen noch eine halbe stunde zeit für schulsachen haben, eine bitte: ich möchte im nächsten winter im seminar einmal Grillparzer treiben, am liebsten die dramatischen fragmente. Oder raten Sie etwas anderes? Die voraussetzung ist, dass ich allen zuhörern billige ausgaben in die hand geben kann; da ich sie nicht veranlassen kann, den ganzen Grillparzer zu kaufen; dazu fehlt ihnen das geld. Können Sie Ihren verleger veranlassen, für solchen zweck einzelne bände der supplemente abzugeben? Die werden ja jetzt doch, wenn sie nicht
<pb/>Ich wollte jetzt auf dem lande sein mit frau und kind. Aber ich fand nicht rasch einen passenden ort, da ich unkundig bin und zu lange säumte; jetzt ward ich unwol und muss noch etwas ruhe halten. Ob dann das wetter und die jahreszeit gut genug sind mit dem einjährigen knaben den ort zu wechseln, warte ich ein paar tage notgedrungen ab. Der zahnarzt hält mich fest.<lb/> Zugleich schicke ich Ihnen etwas Grillparzerisches. Mir ist der gesuchte stil so zuwider, dass ich den inhalt kaum verstehe. Vielleicht und hoffentlich behagt das kunststück Ihnen besser. Auch ein Gleim-Kleistbrief liegt bei.<lb/> Und nun, wenn Sie in den hochzeitsvorbereitungen noch eine halbe stunde zeit für schulsachen haben, eine bitte: ich möchte im nächsten winter im seminar einmal Grillparzer treiben, am liebsten die dramatischen fragmente. Oder raten Sie etwas anderes? Die voraussetzung ist, dass ich allen zuhörern billige ausgaben in die hand <hi rend="underlined">geben</hi> <hi rend="underlined">kann</hi>; da ich sie nicht <hi rend="underlined">veranlassen</hi> <hi rend="underlined">kann</hi>, den ganzen Grillparzer zu kaufen; dazu fehlt ihnen das geld. <hi rend="underlined">Können</hi> Sie Ihren verleger <hi rend="underlined">veranlassen</hi>, für solchen zweck einzelne bände der supplemente abzu<hi rend="underlined">geben</hi>? Die werden ja jetzt doch, wenn sie nicht
ganz vergriffen sind, makulatur, da die neue ausgabe in fluss kam: Ist denn Ihre neue ausgabe dieselbe, die auch in der Cottaschen Weltlitteratursammlung erscheint? Auch da soll man sich auf abnahme des ganzen verpflichten, was studenten nicht können. Ich frage so zeitig, da ich mich sonst nach einem andern thema umsehen muss, ich habe vorsichtig nur angekündigt: seminar, 19. jh. Jedenfalls möchte ich etwas aus der österreichischen litteratur des 19. jh. nehmen, die jetzt am gymnasium vorgeschrieben ist, muss mich aber erst orientieren.
 Ich habe vergangenes semester zum 1. mal ein interpretationskolleg gehalten, 1 stunde über ein paar gedichte des sog. kanons des österr. gymn. lehrplanes. Das war teilweise öde, grösseren teiles für mich sehr lehrreich und hoffentlich den studenten nützlich. Auch die dialoge über poetik in Goethe-Schillers-brfw., im seminar gehalten, waren teilweise recht gelungen. Ich probiere immer neues.
 Haben Sie gesehen, wie sich Braitmaier für meine anzeige seines buches am schlusse seiner streitschrift bei mir bedankte? Ich beneide die Schwaben um ihre urwüchsige grobheit.
 Leben Sie wol, kommen Sie hieher mit Ihrer lieben frau, aber wenn wir hier sind: anfang oktober muss ich
<pb/>ganz vergriffen sind, makulatur, da die neue ausgabe in fluss kam: Ist denn Ihre neue ausgabe dieselbe, die auch in der Cottaschen Weltlitteratursammlung erscheint? Auch da soll man sich auf abnahme des ganzen verpflichten, was studenten nicht können. Ich frage so zeitig, da ich mich sonst nach einem andern thema umsehen muss, ich habe vorsichtig nur angekündigt: seminar, 19. jh. Jedenfalls möchte ich etwas aus <hi rend="underlined">der</hi> österreichischen litteratur des 19. jh. nehmen, die jetzt am gymnasium vorgeschrieben ist, muss mich aber erst orientieren.<lb/> Ich habe vergangenes semester zum 1. mal ein interpretationskolleg gehalten, 1 stunde über ein paar gedichte des sog. kanons des österr. gymn. lehrplanes. Das war teilweise öde, grösseren teiles für mich sehr lehrreich und hoffentlich den studenten nützlich. Auch die dialoge über poetik in Goethe-Schillers-brfw., im seminar gehalten, waren teilweise recht gelungen. Ich probiere immer neues.<lb/> Haben Sie gesehen, wie sich Braitmaier für meine anzeige seines buches am schlusse seiner streitschrift bei mir bedankte? Ich beneide die Schwaben um ihre urwüchsige grobheit.<lb/> Leben Sie wol, kommen Sie hieher mit Ihrer lieben frau, aber wenn wir hier sind: anfang oktober muss ich
vielleicht in Weimar goldne hochzeit feiern helfen, schraube mich aber davon wenns irgend geht.

 Abermals: glück! tu dich auf!

 Ihr
 getreuer
 BSeuffert.
<pb/>vielleicht in Weimar goldne hochzeit feiern helfen, schraube mich aber davon wenns irgend geht.<lb/><lb/> Abermals: glück! tu dich auf!<lb/><lb/> Ihr<lb/> getreuer<lb/> BSeuffert.</p>

Auch Seuffert beschäftigte sich im Rahmen einer Lehrveranstaltung mit Grillparzer und bat Sauer um Unterstützung, Quellen für die Studierenden zugänglich zu machen. Er nahm Bezug auf die Grillparzerausgabe, an der Sauer arbeitete.

[...] ich möchte im nächsten winter im seminar einmal Grillparzer treiben, am liebsten die dramatischen fragmente. Oder raten Sie etwas anderes? Die voraussetzung ist, dass ich allen zuhörern billige ausgaben in die hand geben kann; da ich sie nicht veranlassen kann, den ganzen Grillparzer zu kaufen; dazu fehlt ihnen das geld. Können Sie Ihren verleger veranlassen, für solchen zweck einzelne bände der supplemente abzugeben? Die werden ja jetzt doch, wenn sie nicht ganz vergriffen sind, makulatur, da die neue ausgabe in fluss kam: Ist denn Ihre neue ausgabe dieselbe, die auch in der Cottaschen Weltlitteratursammlung erscheint?

TEI: 
<?xml version="1.0"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title level="s">Briefwechsel Sauer-Seuffert, Digitale Edition</title>
        <title level="a" n="1">Bernhard Seuffert an August Sauer in Prag<lb/>Graz, 4. August 1892 (Donnerstag)</title>
        <author>
          <persName ref="http://d-nb.info/gnd/117470902">
            <forename>Bernhard</forename>
            <surname>Seuffert</surname>
          </persName>
        </author>
        <editor>
          <persName ref="http://d-nb.info/gnd/122861086">
            <forename>Bernhard</forename>
            <surname>Fetz</surname>
          </persName>
          <persName ref="http://d-nb.info/gnd/120756730">
            <forename>Hans-Harald</forename>
            <surname>Müller</surname>
          </persName>
          <persName ref="http://d-nb.info/gnd/142481718">
            <forename>Marcel</forename>
            <surname>Illetschko</surname>
          </persName>
          <persName ref="http://d-nb.info/gnd/129974323">
            <forename>Mirko</forename>
            <surname>Nottscheid</surname>
          </persName>
          <persName>
            <forename>Desiree</forename>
            <surname>Hebenstreit</surname>
          </persName>
        </editor>
        <funder>
          <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2054142-9">FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung)</orgName>
          <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2007744-0">DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)</orgName>
        </funder>
        <principal>
          <persName ref="http://d-nb.info/gnd/122861086">
            <forename>Bernhard</forename>
            <surname>Fetz</surname>
          </persName>
          <affiliation>
            <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/5292678-3">Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek</orgName>
            <address>
              <street>Josefsplatz</street>
              <postCode>1015</postCode>
              <settlement ref="http://d-nb.info/gnd/4066009-6">Wien</settlement>
              <country ref="http://d-nb.info/gnd/4043271-3">Österreich</country>
            </address>
          </affiliation>
        </principal>
        <principal>
          <persName ref="http://d-nb.info/gnd/120756730">
            <forename>Hans-Harald</forename>
            <surname>Müller</surname>
          </persName>
          <affiliation>
            <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/35534-3">Universität Hamburg</orgName>
            <address>
              <street>Von-Melle-Park 6</street>
              <postCode>20146</postCode>
              <settlement ref="http://d-nb.info/gnd/4023118-5">Hamburg</settlement>
              <country ref="http://d-nb.info/gnd/4011882-4">Deutschland</country>
            </address>
          </affiliation>
        </principal>
        <respStmt>
          <resp>Transcription by</resp>
          <persName ref="http://d-nb.info/gnd/142481718">
            <forename>Marcel</forename>
            <surname>Illetschko</surname>
          </persName>
          <persName ref="http://d-nb.info/gnd/129974323">
            <forename>Mirko</forename>
            <surname>Nottscheid</surname>
          </persName>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>
          <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2020893-5">Österreichische Nationalbibliothek</orgName>
        </publisher>
        <publisher>
          <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/35534-3">Universität Hamburg</orgName>
        </publisher>
        <pubPlace>
          <settlement ref="http://d-nb.info/gnd/4066009-6">Wien</settlement>
          <settlement ref="http://d-nb.info/gnd/4023118-5">Hamburg</settlement>
        </pubPlace>
        <availability>
          <licence>http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en</licence>
        </availability>
      </publicationStmt>
      <seriesStmt><p>Machine-Readable Transcriptions of (and Annotations to) correspondence from August Sauer und Bernhard Seuffert</p></seriesStmt>
      <sourceDesc>
        <correspDesc>
          <correspAction type="sent">
            <persName ref="http://d-nb.info/gnd/117470902">
              <forename>Bernhard</forename>
              <surname>Seuffert</surname>
            </persName>
            <placeName ref="http://d-nb.info/gnd/4021912-4">
              <settlement>Graz</settlement>
            </placeName>
            <date when="1892-08-04">4. August 1892. Donnerstag</date>
          </correspAction>
          <correspAction type="received">
            <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118605747">
              <forename>August</forename>
              <surname>Sauer</surname>
            </persName>
            <placeName ref="http://d-nb.info/gnd/4076310-9">
              <settlement>Prag</settlement>
            </placeName>
          </correspAction>
        </correspDesc>
        <msDesc>
          <msIdentifier>
            <country ref="http://d-nb.info/gnd/4011882-4">Deutschland</country>
            <settlement ref="http://d-nb.info/gnd/4067037-5">Würzburg</settlement>
            <institution>Staatsarchiv Würzburg</institution>
            <idno>Nachlass Seuffert (unerschlossen)</idno>
          </msIdentifier>
          <msContents>
            <msItem>
              <incipit>Vor allem nehmen Sie meinen und meiner frau</incipit>
            </msItem>
          </msContents>
          <physDesc>
            <objectDesc form="letter">
              <supportDesc>
                <support>
                  <material>paper</material>
                </support>
                <extent>
                  <measure type="composition" unit="leaf" quantity="4"/>
                </extent>
                <condition>archivarisch einwandfreier Zustand</condition>
              </supportDesc>
            </objectDesc>
          </physDesc>
        </msDesc>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <projectDesc><p>Briefwechsel Sauer-Seuffert, Digitale Edition</p></projectDesc>
      <editorialDecl><p>Übertragung folgt den Editionsrichtilinien der Druckausgabe</p></editorialDecl>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="de-DE">German</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
    <revisionDesc status="approved">
      <change when-iso="2015-07-21"/>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body><p> Graz 4.8.92<lb/><lb/>Lieber freund  Vor allem nehmen Sie meinen und meiner frau herzlichen glückwunsch zur bevorstehenden vermählung an: möge Ihre ehe so glücklich sein wie unsere! ich kenne keine <supplied>!</supplied> höheren wunsch. Möge ihr all das bittere leid verspart bleiben, das uns ward, obwol auch im leid das glück der zusammengehörigkeit sich bewährt. – –<lb/> Hauffen ist Ihnen zuvorgekommen, das ist eine missliche empfindung, wie ich aus eigner erfahrung weiss, da ein naher freund sich später verlobte und früher verehelichte als ich. Aber das muss ertragen sein.<lb/> Schönbach stärkt sich in Schruns; er hatte es noch recht nötig als er abfuhr von hier, die reise hat ihn ausserordentlich angestrengt. Glücklicher weise ahnt er nicht, wie viel sorge er uns diesen sommer bereitete. Ich setze alle hoffnung auf seinen jetzigen aufenthalt.<lb/> Gurlitt residiert mit seiner familie im Kroisbachschlössel, dessen Sie sich wol noch erinnern. Bauer sitzt bei seiner frau und hält sie in ruhe, damit das christkindlein dieses hauses ordentlich gedeihe. Willy freut sich aufs schwesterchen.<lb/> <pb/>Ich wollte jetzt auf dem lande sein mit frau und kind. Aber ich fand nicht rasch einen passenden ort, da ich unkundig bin und zu lange säumte; jetzt ward ich unwol und muss noch etwas ruhe halten. Ob dann das wetter und die jahreszeit gut genug sind mit dem einjährigen knaben den ort zu wechseln, warte ich ein paar tage notgedrungen ab. Der zahnarzt hält mich fest.<lb/> Zugleich schicke ich Ihnen etwas Grillparzerisches. Mir ist der gesuchte stil so zuwider, dass ich den inhalt kaum verstehe. Vielleicht und hoffentlich behagt das kunststück Ihnen besser. Auch ein Gleim-Kleistbrief liegt bei.<lb/> Und nun, wenn Sie in den hochzeitsvorbereitungen noch eine halbe stunde zeit für schulsachen haben, eine bitte: ich möchte im nächsten winter im seminar einmal Grillparzer treiben, am liebsten die dramatischen fragmente. Oder raten Sie etwas anderes? Die voraussetzung ist, dass ich allen zuhörern billige ausgaben in die hand <hi rend="underlined">geben</hi> <hi rend="underlined">kann</hi>; da ich sie nicht <hi rend="underlined">veranlassen</hi> <hi rend="underlined">kann</hi>, den ganzen Grillparzer zu kaufen; dazu fehlt ihnen das geld. <hi rend="underlined">Können</hi> Sie Ihren verleger <hi rend="underlined">veranlassen</hi>, für solchen zweck einzelne bände der supplemente abzu<hi rend="underlined">geben</hi>? Die werden ja jetzt doch, wenn sie nicht <pb/>ganz vergriffen sind, makulatur, da die neue ausgabe in fluss kam: Ist denn Ihre neue ausgabe dieselbe, die auch in der Cottaschen Weltlitteratursammlung erscheint? Auch da soll man sich auf abnahme des ganzen verpflichten, was studenten nicht können. Ich frage so zeitig, da ich mich sonst nach einem andern thema umsehen muss, ich habe vorsichtig nur angekündigt: seminar, 19. jh. Jedenfalls möchte ich etwas aus <hi rend="underlined">der</hi> österreichischen litteratur des 19. jh. nehmen, die jetzt am gymnasium vorgeschrieben ist, muss mich aber erst orientieren.<lb/> Ich habe vergangenes semester zum 1. mal ein interpretationskolleg gehalten, 1 stunde über ein paar gedichte des sog. kanons des österr. gymn. lehrplanes. Das war teilweise öde, grösseren teiles für mich sehr lehrreich und hoffentlich den studenten nützlich. Auch die dialoge über poetik in Goethe-Schillers-brfw., im seminar gehalten, waren teilweise recht gelungen. Ich probiere immer neues.<lb/> Haben Sie gesehen, wie sich Braitmaier für meine anzeige seines buches am schlusse seiner streitschrift bei mir bedankte? Ich beneide die Schwaben um ihre urwüchsige grobheit.<lb/> Leben Sie wol, kommen Sie hieher mit Ihrer lieben frau, aber wenn wir hier sind: anfang oktober muss ich <pb/>vielleicht in Weimar goldne hochzeit feiern helfen, schraube mich aber davon wenns irgend geht.<lb/><lb/> Abermals: glück! tu dich auf!<lb/><lb/> Ihr<lb/> getreuer<lb/> BSeuffert.</p></body>
  </text>
</TEI>