Brief von Bernhard Seuffert an August Sauer in Graz am 7./8. Oktober 1885. Mittwoch/Donnerstag

Faksimile fehlt.

 Würzburg Herzogeng. 5.  7. X 85

Lieber freund,
Zuvörderst meinen herzlichen dank für Ihren freundschaftlichen besuch: wie kurz er war, empfind ich hinterdrein doppelt schwer, wo ich allerlei mit Ihnen besprechen möchte. Als wir aus einander gehen mussten, waren wir erst warm geworden, mein ich. Rechnen Sies meiner natur, nicht meinem willen und meiner gesinnung zu schuld, dass ich zurückhaltend anhebe.  Heyne, so interessant wol auch Ihnen seine bekanntschaft war, hat uns eigentlich gestört und besonders die lange sitzung bei dem leidenden Lexer war zeitvergeudung. Also: das müssen wir bald nachholen.
 Darnach dank für Ihre karte, die mir ein sicherer beweis Ihrer völligen genesung ist, wenn nicht Ihr hiesiger aufenthalt das gleiche schon gezeigt hätte. So frisch haben Sie mir kaum je geschrieben. Die situation bei den 3 Henningern ist kostbar. Ich habe von den herren auch nachricht erhalten: nichts als dass Sie zur Hbiographie bereit seien, wenn ich den verf. zuvor in den DLD mitarbeiten lassen. Schlau sind die schwaben alle! damit umgehen sie die frage um meine meinung, die sie nicht mehr stellen wollten, weil Sie vor mir kamen; und verlangen doch indirekt mein urteil, da sie wissen, dass ich die mitarbeiter so sorgfältig als möglich auswähle. Na, in diesem falle halte ich mich zunächst an Sie.
 Ihre andeutungen über Kürschners hs. sammlung zwingen mir eine frage auf: was will er mit den Müllerpapieren machen? Aber ich begreife vollständig, wenn Sie sich darauf ausschweigen und in Kürschners geschäftsgeheimnis hüllen. Dass in Mannheim viel bedeutenderes liegt als in Berlin, war mir ja nach dem gespräche mit der damaligen besitzerin klar; aber ich hatte nicht lust, mich dadurch von der ganzen arbeit abhalten zu lassen. Ich bin heidenfroh, dass ich so zu rand kam und dass der MM abgeschlossen hinter mir liegt, so abgeschlossen, dass ich mich nicht einmal entschliessen konnte, das oder die briefchen die ich von ihm seit jahren fand zu publicieren. Ich will an diese erstlingsarbeit nicht mehr die hand legen. Aber wenn Sie mit K. über die ausnützung des nachlasses reden, so sorgen Sie doch tunlichst dafür, dass er die briefe, die Weinhold noch besitzt, die welche Yorck von Wartenburg hat (sie sollten in Wagners Archiv kommen und gingen aus dessen nachlass an Yorck zurück, so viel ich weiss) und die sachen, welche Oertel, der ein programm über Müllers jugend schrieb, bewahrt, zusammen bringt, damit man alles auf einmal kriegt. Weinhold und Oertel wollen biographien schreiben, so viel ich weiss. Oertels jetztigen aufenthalt kenne ich nicht. 1875 war er gymnasiallehrer in Wiesbaden. – –
 Richtig, Sie haben mir wirklich ende 1884 geschrieben, dass Sie eine entwicklungsgeschichte deutscher lyrik im 18./9. jhrh. planen! Wie ich das nur vergessen konnte! Wol deswegen weil Sie das entschiedene wort beifügten: Hinab mit dem plan in das chaos! Aber wie wär es, wenn diese verwünschung lügen gestraft würde? Wie schön wäre es! Und dann packen Sie noch gleich eine andere erklärung dazu in den verschlossenen chaosschrank, nemlich die, dass Sie nach dem Uz das edieren aufstecken wollen. Ueberlegen Sie sichs einmal in sonnigen stunden, wenn Sie wandeln, ob Sie nicht die Schillerschen Musenalmanache und auslesen aus Vossischen und dann den Tieckschen neudrucken lassen wollen, gemächlich, nach und nach, und dabei schreiben Sie als einleitungen ein kapitel der entwicklungsgeschichte nach dem andern! Sie setzen Ihren Kleist und Ihren Uz und Ihren Gleim und Ihren Bürger und alle übrigen vorarbeiten voran, und ich folge Ihnen mit neudrucken auf schritt und tritt und eines tages ist die ganze geschichte fix und fertig; das störende detail lassen Sie in meinen vorreden aufgespeichert, das allgemein wichtige heben Sie heraus, fügens zusammen und das buch ist fertig, ohne dass Sies merken. So kommen Sie auf dem bequemen umweg von ausgaben doch zu einem selbständigen buche. Bitte, bitte, bedenken Sie sich das, aber antworten Sie mir nicht rasch mit einem nein! sondern warten Sie reine stunden der besinnung ab.
 Und nun zum Uz!
 Der k. landgerichtsrat Schnizlein in Ansbach, sekretär des histor. vereins schrieb mir: Der histor. verein f. Mittelfranken besitzt von Uzscher korrespondenz lediglich 3 briefe Uz’ an Junkheim. Die schlossbibliothek habe gar nichts. Er persönlich besitze einen Brief Uz’ an seinen grossvater und mehrere stammbucheinzeichnungen.  Uz habe vor tod an die noch lebenden korrespondenten ihre briefe zurückgeschickt (Weisse vor ausg. 1804). Das ist alles.
 Wegen der einrichtung des kritischen apparates schrieb ich Fresenius und erhielt antwort. Die grundverschiedenheit besteht zwischen seiner und Ihrer ausgabe darin, dass er auf dem antiquadruck der vorlage beharrte während der Uz in fraktur gesetzt werden darf.  So muss Fres. für alle seine eigenen zusätze (zb. fehlt, neuer absatz u dgl.) kursive verwenden, wo es bei Ihnen die antiqua tut. Uebrigens gewinnt er dadurch den vorteil die jahreszahlen womit die einzelnen ausgaben bezeichnet werden abzukürzen, d. h. das ‚17‘ weg zu lassen. Und wenn das für Uz auch geschehen soll, so müsste 46, 49, 55 usf auch kursiv gesetzt werden, damit die ziffern von der verszählung abstechen und dann wäre ich der meinung lieber gleich, wie Fres., alle Ihre zusätze kursiv zu setzen und gar keine antiqua zu verwenden. Übrigens spart man ja wol raum durch die beseitigung des ‚17‘, aber ob damit nicht die einfältige denklichkeit etwas beschränkt wird zweifle ich.
 Inzwischen hab ich mir über die einrichtung der ausgabe folgendes erdacht, was, teilweise im widerspruche steht mit dem, was mein langsamer geist Ihnen hier sagte.
 Das auswerfen des druckortes, aus dem der text des betr. gedichtes genommen ist, in [ ] oben links vor überschrift wird doch hässlich und Ihr vorschlag, nach E v Kleist es einzurichten, ist besser. Also
 Vorrede.
 ........
 ______________
 49. usf.
 1 An Herrn Secretar Gleim.
 .....
 ______________
 1: 42. 49 usf.  Die einzelnen jahreszahlensiglen durch punkte getrennt. Darnach verszählung: die ziffern ohne punkt. Nach der variante jahreszahlensiglen, am schlusse kein punkt, nur kleines spatium, dann wider versziffer usf.  Niemals vers 1f. oder 1ff. sondern: 1.2 und 1.2.3 Ist eine serie von jahreszahlsiglen so heisst es 46–04  Ist eine längere folge von gedichten in gleichen ausgaben vorhanden so würde man der vereinfachung zu liebe schreiben können: 1–10: 46.49.53.55. usf. Aber es fragt sich, ob es nicht für die orientierung über das einzelne gedicht besser ist, bei jedem alle ausgaben zu vermerken. So sehr ich für prägnanz des kritischen apparates bin, so sehr scheue ich nachgerade zu viel kürzen. Deswegen möchte ich auch zusätze wie: neuer absatz nicht abgekürzt wissen.
 Nach dem lemma steht ] wie in Ihrem Kleist.
 Geht eine variante durch eine reihe von ausgaben durch, aber so dass eine der gruppe eine kleine eigenheit hat, so wird diese in klammer dazwischen geschoben. Ich exemplificiere nach Fresenius’ Wieland: 2  Herrscht ein Caliph in Bagdads stolzen Mauren (Mauern 98) Der die Sicilischen Tyrannen 62–98
 Für versbruchstücke oder einen ganzen vers wird keine neue zeile im apparat begonnen. Wenn aber die variante sich auf mehr als einen vers (1 ½ oder mehr) in continuo erstreckt, so wird im apparat mit jedem vers (bezw. wenn der halbvers voran steht in der mitte der zeile) neue zeile begonnen.
 40  schwebten
 41 Und vieles pflegt’ er selbst, in deren Zügen
 42 Von ] Statt 62.70  45  du – selbst ] wie hast du dich 70
 Sollte der fall eintreten, dass in einer der späteren ausgaben starke, mehrere verse umfassende veränderungen eintreten, so wird der ganze passus im apparat mit x x umfangen und die ordnung innerhalb des passus ist so, dass natürlich alle kleinen veränderungen bis zur schlusszeile des passus und dann die grosse variante vom ersten bis zum letzten verse folgt; also einfaches beispiel:  
 x70 sie war 62.70,  69.70 fehlen 98x
 komplicierter:  x439 Vor ] Statt 62.70,  438 neuen wonniglichen Stande 439 fehlt 98x
 Sind bei den varianten neue verse hinzugetreten, so werden die einschiebsel als vers 1a–z gezählt. Ist dagegen die gleiche verszahl geblieben, aber verschiebungen in der reihenfolge sind eingetreten, so wird im apparat nicht der verschobene vers mit der im text ihm gegebenen zahl, sondern nach der neuen ordnung gezählt; also oben steht 1 in ausgabe 46
2
3
4
5
In ausgabe 49 wird die ordnung tatsächlich 1.3.2.4.5; so wird aber im apparat nicht beziffert, sondern wider 1.2.3.4.5; die erste u. ziffer muss mit den textversenziffern stimmen.
 Also z. B.
 x179 alle Furcht ] die Gefahr 62
 Indem ein Trank, ein Wunder seiner Kunst,
 178 Des Fiebers Wuth und die Gefahr des Todes
 179 In einem Schlaf 70.98x
 Was im text in der ausgabe 62 in vers 179 stand, steht in ausgaben 70.98 in vers 178 wie Sie an dem identischen ‚die Gefahr‘ sehen.
 Aber so komplicierte fälle kommen hoffentlich bei Ihnen nicht vor. Und es ist wol besser, wenn Sie die güte haben beim stossen auf absonderlichkeiten, mich davon in kenntnis zu setzen, damit wir gemeinsam ordnen, ohne Ihre freiheit zu beeinträchtigen.
 Druckfehlerangaben von belang (also nicht gestürzte u u. dgl.) kommen in den apparat.
 Voraus denke ich mir am schlusse der einleitung ein chronologisches titel(quellen)verzeichnis:  46  Die Oden Anakreons ... Frankfurt und Leipzig 1746. 84 S 8o
 49  Lyrische Gedichte. Berlin 1849 ... S. 8o usf
 Könnte man nicht hier zugleich statt der paralleltafel, die wir am schlusse planten die zählung der gedichte nach dem neudrucke beifügen? also 1746. 84 S. 8o enthält: 1–10. 12–16 usf.?   Und zwar in der reihenfolge des betr. druckes; also etwa enthält: 5.2.10.21.1.7 usf.  Wenn Sie es für nötig halten (ich bin zweifelhaft) lässt sich hier auch gleich die seitenzahl beisetzen; also enthält: S. 1:5. S. 2:2. S. 3.4:10 oder umgekehrt 5 (S. 1). 2 (S. 2). 10 (S. 3.4). usf. Dann haben wir, glaub ich, alle finessen erreicht, wenn ich nichts vergesse. Soviel und schon zu viel über die form.
 (Gesammttitel des textes wird wie beim Messiasneudrucke antiqua werden müssen, da er nicht original ist.)
 Nun zur sache.
 Vgl. Böttiger Lit. Zustände und Zeitgenossen 2, 190.
 Hoffmanns Findlinge 1, 304.
 Morgenblatt 22. apr. 1839. nr. 96. s. 382 ohne Uz zu nennen gegen die richtung.
 Dass Uz sich nachrichten über Wld. zutragen liess, ergibt morgenbl. 1840 nr. 284 s. 1135.  1840 nr. 285 s. 1137. 1138.  nr. 286 s. 1143.  nr. 287 s. 1146. 1147.  nr. 292 s. 1165  nr. 292 s. 1166  nr. 293 s. 1171  nr. 294 s. 1174. 1175.  nr. 301 s. 1201.
 Im Bodmernachlass in Zürich, stadtbibl., fand ich einen brief Uz’ an Bodmer; ob er gedruckt, weiss ich jetzt nicht; ich excerpierte mir nur: Anspach 7. janr. 1780. Es schmerze ihn, dass Bodmer immer noch einen gewissen Unwillen gegen ihn nähre, den er nicht verdiene. Er habe B. allzeit hochgeschätzt, B. sei sein erster Lehrer gewesen. Über einige Dichtungsarten sei er anderer Meinung und habe im Feuer der Jugend der Sache des guten Geschmacks schuldig zu sein geglaubt, darüber zu spötteln. ‚Niemand würde darauf geachtet haben, wenn nicht der Wielandische und Duschische* Angriff darauf gefolgt wäre, deren Ursprung ich bloss aus der Schweiz herholen konnte.‘ ... ‚Aber wer denkt mehr an diese Kleinigkeiten?‘ ....
 Ausfälle gegen reindichter s. in Bodmers Crito 1751. [??]
 Ueber den streitanfang vgl. Solkas, von dem Ursprunge des Hasses gegen die Patriarchaden 1758 in Archiv der Schweizerischen Kritick. Zürich 1768 s. 252ff. Zuerst: Freymüthige nachrichten Zürich 1758 st. 10 s. 78ff. st. 11 s. 86f.
 Die Larve, (von Bodmer) 1758. Darin gegen Uz Lottchen.
 Deutsche Litteraturdenkmale 12.  dgl. 18, 264.
 Erdichtetes Schreiben des Verfs. der Lyrischen Gedichte an einen seiner Freude: Freymüthige nachrichten. Zürich 1758. st. VII d. 54–6.  st. 8 s. 60–63. Dazu ‚Gewissenhafter vorbericht zu d. erdichtet. schr.‘  Ebenda st. 9 s. 69f.

* d. i. Dusch, Verm u. satyr. schriften. Altona. 1. brf. (Freym. nachr. 1759 s. 278f. teilen dies zitat mit, ohne urteil anzuknüpfen.)

und will darüber nicht mit ihm sprechen. Das müssten Sie direkt tun. Den inhalt Ihres briefes kennt er.
 Was ich wollte bei der neuen prüfungsordnung – und Schönbach u. die kommission haben meinen antrag angenommen – war bei Deutsch Nebenf. eine kleine hausarbeit, nur eine interpretation eines textes, das ganze vielleicht 6–8 4°seiten. U. zwar deswegen, weil der fall eintreten kann, dass von einem solchen cand. gar nichts deutsch geschriebenes vorliegt; weil ich seinen deutschen stil u. orthographie beurteilen will, wozu andere haus- u. clausurarbeiten keinen anhalt geben; weil ich interpretationskunst für das notwendigste beim gymn. lehrer halte, sie im mündl. zu prüfen zu zeitraubend ist u. sie in andern philol., wo nur das sprl. herrscht, nicht gelernt wird. Darauf gab das hohe ministerium keine antwort als die neue prüfungsordnung, die davon schweigt. –
 Ich muss enden. Nehmen Sie nichts krumm: weder die heimsuchung mit dem endlosen mscpt, noch meine unfähigkeit, Ihren prüfungsorganisationsplan zu unterschätzen. Ich bin eben als forscher u. prüfer ein sklave meiner verhältnisse.
 Im herzlichen treuen
 Ihr
 BSeuffert
Gratien vom Parnass verjagen! Ist niemand weis, als wer nur immer weint? etc.
 Erlauben Sie mir, Hr. Utz, eine kleine Anmerkung. Es scheint nicht dass Sie die Gratien Homers und Pindars kennen. Das waren gantz andere als die ihrigen. Aber wer verlangt dass man immer weinen, dass man schwehrmüthig seyn soll? Merken sie nicht dass das die gemeinen alltäglichen Ausflüchte lüderlicher Bursche sind, wenn sie von ihren Eltern zu einem anständigen Leben vermahnt werden? Sollte Hr. Utz nicht wissen dass die Tugend mitten zwischen den zween Abwegen liegt Allerdings sollte der Liebling der Gratien wissen was die moral Venus und die moral Graces sind von denen Shaftesbury spricht. Welch ein liebenswürdiger Scribent wären sie gewesen, wenn sie diese Gratien gekannt hätten! Verzeihen Sie diese Abschweiffung. Erato sagt dem armen Jüngling im Traume noch mehr dergleichen spruchreiche Sachen, Ja es kommt in ihrer Rede eine Stelle vor („sie ist in der Bibliothek der schönen Wissenschaften 1. Bd. 2. St. S. 423 angeführt) die recht artig ist. Aber ach! die Muse, Erato, die Muse der Liebe, sagt ihm itzt ohne komplimente, ihm und seinen Freunden: Man liesst euch nicht. (Das hat der Jüngling nicht gewusst. Wer mag wohl dieser man seyn?) und warum liesst man euch nicht? ihr lehrt nicht reitzend, sagt Erato. Sie lehrt ihn darauf, wie einen dummen Knaben, der Stoff allein machte keine Meisterstücke u. dgl. der Jüngling wird darüber ganz toll, er runtzelt die Stirne, er schwöhrt dem heidnischen Parnass und den Musen ewigen Hass, und so trollt er sich weg und H. Utz lacht von gantzem Hertzen. Wie artig können Sie träumen, H.Utz! Wie fein haben Sie mir gesagt wer ich bin, und wie sehr ist ein Mensch, der weil er lebt, den Menschen überhaupt und sein eignes Selbst mehr als irgend etwas anders studiert hat, Ihnen für diese Anecdoten von sich selbst verbunden! Nun weiss ichs endlich, ein einfaltiger, stolzer, unwissender den Grazien und Musen verhasster Jungling, das ich bin, und Sie? sie sind ein Dichter von der ersten Grösse; Sie ein Myron, ich Meister Zimmermann. Wer muss nicht lachen? Ich für meinen Theil muss allemal lachen, wenn mir einfällt was die andre witzige Herren zuweilen aus mir machen wollen. Der Dichter der Bodmerias machte mich zum Schildknappen, zum Sancho Pansa, und liess mich eben so klug reden wie Sie. Das beste ist, dass diese gedichteten Wielande, dem würklichen, den Gott geschaffen hat, nicht so ähnlich sind, als die beyden Sosia beym Plautus einander waren. Doch erlauben Sie mir noch eine Anmerkung im Ernste zu machen. Es scheint Sie suchen etwas darinn mich einen Jüngling zu betiteln. Sie waren wohl auch einmahl ein Jüngling. Aber es giebt, wie sie wissen allerley Jünglinge. Der Jüngling, der in seinem 18t Jahre das Gedicht von der Natur der Dinge schrieb, that das Werk eines Mannes. Der Jüngling, der die lyrischen Gedichte schrieb, muss entweder, wie jener beym Shakespear wünscht, ewig ein Knabe bleiben, oder die Zeit erleben, da er sich schämen muss, ein Jüngling gewesen zu seyn.  Weil es hier das 1. und letzte mal ist, dass ich dem Publico mit einer Selbstvertheidigung beschwehrlich fallen werde, so muss ich noch einige Dinge sagen, welche für allemal gesagt seyn mögen. Meine Freymüthigkeit wird mir noch manche Insultes zuziehen, eh ich dieses Theater der menschlichen Thorheiten wieder verlassen werde. Es mag seyn. Unvermeidliche und allgemeine Schiksale muss man für bekannt annehmen. Ich lasse mich gerne zurechtweisen, aber nicht einem jeden steht es wohl an, sich zu meinem Lehrer aufzuwerfen.‘  [Die weitere ausführung ist allgemein und ohne direkten bezug auf Utz. Wenn Sie wünschen, kopier ich auch diese seiten noch. Ich hebe aus:]
 ‚Ich habe niemals nur durch eine Zeile beleidigen wollen, ob ich gleich zum Schutz der Wahrheit zuweilen Dinge schreiben musste die für Beleidigung aufgenommen wurden.‘ … ‚Die Herren Utze, die Bibliothecaires der Sch. Wiss., die Nicolai, die Verf. der Aesth. Nüsse und Bodmeriaden, haben freye Hand zu thun was Ihnen beliebt. Die Welt wird uns alle richten. Da ich selbst alle Talente hochschätze, und alle wahre Verdienste eben so sehr liebe, als ich die falsche Grösse, den falschen Witz, und den unverdienten Ruhm verachte, und da meine Hauptsorge ist, auch als Schriftsteller und Poet ein Rechtschaffner Mann und ein Menschenfreund zu seyn So sehe ich nicht, warum ich mich weiter mit Leuten abgeben sollte, die ihr niedriges Hertz und die elenden Triebfedern ihrer Handlungen so wenig verbergen können.‘ ....... In welchem litterarischen zusammenhange diese erklärung Wielands steht, habe ich noch nicht untersucht. Dass sie gedruckt ist, glaube ich nicht, aber ich weiss es nicht. Einen teil zu Wlds. Vorrede der Sammlung critischer schriften bildet sie nicht, auch nicht zur vorrede an Sack, und in den Freymüthigen nachrichten jener jahre fand ich sie nicht und kann nicht gut annehmen, dass ich sie da übersah. Aus ungedr. briefen gewinne ich gleichfalls keinen anhaltspunkt.  2) Zwischen hsl. korrespondenz Bodmer in Zürcher stadtbibl. liegen 2 bl. druck, fraktur, 8o, s. 35–38 paginiert, norm C 2, C 3. Bodmer schrieb darauf: ‚sollte in die edit. von 1758 kommen, wir haben es verhüthet.‘ Der druck lautet.  ‚Nachricht an den Leser.  Ich muss wegen der Veränderungen, die in der Vorrede vorgenommen worden, einige Nachricht geben. …… Es haben sich einige durch gewisse Stellen der Vorrede beleidiget gefunden. Meine Absicht war nicht, sie zu beleidigen. Der Eifer der mich begeisterte als ich schrieb, war Liebe zur Wahrheit und Religion. Je grösser und reizender diese Gegenstände sind, desto leichter kann die Liebe, welche sie in einer feurigen Seele erweken, in einen Eifer aufwallen, der die Grenzen überschreitet, quos ultra citraque nequit consistere rectum. Ich besorge, dieses sey damals mein Fall gewesen.  Ob ich izt meinen Fehler dadurch gut gemacht, dass ich die beleidigenden Stellen [36] weggelassen habe, weis ich nicht. Indessen bin ich mir bewusst, dass eben die Redlichkeit des Herzens welche sie mich vor zwei Jahren schreiben gemacht, izt Ursach ist, dass ich sie ausstreiche.  Meine Gedanken vom Missbrauch der Poesie sind immer die gleichen. Dieser Missbrauch hat eine Seite, die einen Scribenten der für das Beste der Menschen mehr als gleichgültig ist, gar wol in Eifer seyn darf. Das Urtheil, das ich über den Verfasser der Lyrischen Gedichte gesprochen, trift in gewissen Stüken auch einige von meinen jugendlichen Werken. Vielleicht hat H. Uz, da er seine muthwilligsten Oden schrieb, sich selbst für eben so unschuldig gehalten, als ich mich unschuldig hielt, da ich die Lyrischen Tändeleyen schrieb, die an den Anti-Ovid gedrukt sind. Vielleicht sind die Ausschweifungen von Platonischer Liebe, die in einigen meiner Poesieen herrschen, in ihrer Art eben so verwerflich, als die sinnlichen Ausschweifungen, die in einigen Liedern des H. Uz herrschen. Der Wiz und das Herz sind beyde Verführer, denen desto schwerer zu entgehen ist, je mehr Aehnlichkeit mit Wahrheit und Natur sie ihren Eingebungen anzustreichen wissen. Mich dünkt aber, der Ver- [37] fasser der Lyrischen Gedichte habe das gleiche Recht wie ich, Vergebung zu erwarten. Das Publicum ist uns diese Nachsicht, und wir sind ihm Bescheidenheit und Besserung schuldig.  Der gedachte Scribent wird es mir nicht übel nehmen, wenn ich hier wiederhole, dass einige seiner Lieder so beschaffen sind, dass er ohne Zweifel selbst izt oder in wenigen Jahren wünschen wird, sie nicht gemacht zu haben. Es haben sich schon sehr grosse Männer in diesem Falle befunden, und dieses kann seyn Trost seyn. Mir wird es in Absicht derselben Lieder wol zu vergeben seyn, wenn ich mein Missfallen in zu starken Ausdrüken bezeugt habe. Dass ich aber einem Poeten, der wegen einer guten Anzahl schöner und artiger Stüke, Achtung verdient, nicht um derselben willen, mit Achtung begegnet bin, dieses war ein grösserer Fehler, und wie kann ich anders als ihn nicht gemacht zu haben wünschen? Ich bin bey dieser Erklärung desto unpartheyischer, da mich, wie ich hoffen darf, wol niemand im Verdacht haben wird, dass ich mich bey dem Verfasser des Siegs des Liebesgottes einschmeicheln wolle.‘ … Der rest bezieht sich nicht auf Uz. Das ganze ist unterz.: Zürich 12. april 1758. Meines wissens ist dies blatt wirklich unterdrückt und sein inhalt auch auf keine andere weise öffentlich worden.  Die sache hat aber einen haken. Die von Goedeke angeführte ausgabe 1755 4° der Empfindungen existiert wol nicht.   Die erste ausg. ist von 1757 (besitze ich, Berl. u. Zürich usf.). Zürich stadtbibl. hat eine ‚Zweyte Auflage‘ 1758, welche seiten gleich mit dem druck in Sammlung einiger Prosaischen Schriften von C. M. Wieland. Zweyter Theil. 1758. 8 ist, den ich besitze, also SA aus dieser sammlung. Nun wäre zu erwarten, dass zu dieser ausgabe, in deren Zuschrift an Sack in der tat die 2 auf Uz u. Bock anfallenden sätze der 1. aufl. (s. 18.19) fehlen, obige Nachricht gesetzt und dann weggelassen wurde; es muss aber von s. 32 an der satz der zuschrift abgebrochen und der ganze dritte bogen neugesetzt worden sein: denn was jetzt s. 35–8 steht schliesst sich eng an das vorhergehende an und ist der rest der alten zuschrift, den Wld. der Nachricht zufolge bei der 2. aufl. hatte weglassen wollen. Dass die Nachricht ein bischen grösseres 8° format hat, verschlägt nichts, da auch bogen 2 der dekretierten ausgabe etwas grösser (wenn auch immer noch kleiner als die Nachricht) als bogen 1 ist.
 Wie wichtig den Zürchern die unterdrückung der Nachricht war, sehe ich aus ff. briefstellen M. Künzli’s – Winterthur an Bodmer:
 18. mai 1758.  ‚Was will es mit unserm W. werden! Wollen Sie denselben die Nachricht an den Leser, welche beyliegend zurükke kömmt, so wie sie ist, ohne Abänderung druken lassen! Oder ist er wirklich so verstokt dass er sich hierüber nicht will rathen lassen! Einen so formlichen und wirklich kriechenden Wiederruf, der dem Verfasser selber und der guten Sache, die derselbe bis dahin so ????? und hizig verfochten hat, nicht anders als nachtheilig seyn kann, hätte ich von Herrn W. am wenigsten vermuthet. Ich kann seine Absicht, in so ferne er der Tugend treu bleibet, und nicht eigennüzig handelt, nicht errathen; Ich will sagen er hätte Uzen in so weit zu viel gethan dass er nicht mit mehrerer Achtung von ihm als einem wizigen und nicht ungeschikten Poeten geschriben hat, so hat er ihm darinne mit keinem Wort zu viel gethan, dass er gegen seine, zu wirklichen Lastern reizenden Lieder, mit einer seinem moralischen Charakter geziemenden Heftigkeit geeiferet, die Liebe, die Uz lobet, ist wirkliches Laster – – Das ist keine blose Tändelei, wie die von W. gepriesene platonische Liebe; mich wundert dass Wieland nicht erröthet über diese Ungerechtigkeit gegen Sich Selber‘ usf. im gleichen tone.  ‚Nur Wielands Feind kann ihm rathen, dass er dieselbe [die Nachricht] so druken lasse?‘
 25. mai 1758.  Da er zu kurz in Zürich gewesen, um Bodmer aufzusuchen, berichte er schriftlich über seine unterredung mit Wield. ich sagte ihm ‚warum ich expresse nach Zürich gekommen, ich erzählte demselben, dass ich seine veränderte Zuschrift an H. Sak und die derselben angehängte Nachricht gelesen; stellte ihm die schlimmen folgen vor, wenn er die unanständige abbitte nicht supprimiere. ‚Nachdem ich allso ihm die ganze Lage auf einmal gegeben hatte, striche er die Seegel, und sagte ohne die geringste Einwendung weiter zu machen, er gestehe, dass er nicht geglaubt habe, dass die Sache solche schlimme Folgen haben würde: ich solle nur sagen, wie der Sache am besten zu helfen. Ich schlug ihme vor, die Zuschrift unverändert zu drüken und die Nachricht ganz zu Supprimieren; er sagte, er wolle es thun, und allso den Bogen ganz umdrüken lassen, und die Genealogie wegen Mangel des Plazes an Stat der Nachricht um etwas abgekürzet, dem Druker übergeben.‘  Künzli will zugleich im namen aller freunde u. gönner Wlds. gesprochen habe; Wld. hätte grund zur sorge gehabt, dass Sack von Wld. eine warnung hätte drucken lassen. ‚Um ein Uhr kame er zu mir zur Sonnen und sagte, dass er schon in der Drukerey gewesen und die verabredeten Anstalten gemacht habe.‘ Vom erfolg dieser unterredung gab Künzli noch in Zürich in einem billete Breitinger kunde: ‚Mit gegenwärtigem habe Ihro Hochwürden nur melden wollen dass Herr Wieland die Nachricht will Supprimirn,‘ … Dies undatierte billet versah Bodmer mit dem beisatz: ‚Zürich den 22. May 1758 ex aedibus zur Sonne.‘ 
 5. brachmonat (juni) 1758 schreibt K. ferner an Bodmer: ‚Nun bin ich wegen einem so baldigen Rükfall unsers Hrn. W. unbesorget, Eberts Brief muss ihn nothwendig in dem guten stärken; der lässt ihm keinen Zweifel übrig, dass wenn er seine kriechende Abbitte gethan, er es auch mit den rechtschafnen Deutschen verdorben hätte.‘ Auch pfarrer Ehrhart, auf den Wld. etwas halte, billige die unterdrückung.
 Den brief Eberts kenne ich nicht.  Das ist alles was ich aus ungedr. quellen über Wlds. verhältnis zu Uz besitze. Auch sonst habe ich nichts über Uz notiert, was etwa nur die stimmung der Schweizer anginge. Nur eine anzeige der Lyr. lieder in den Freymüthigen nachrichten 1755 s. 310 finde ich eben noch, die möglicher weise aus Wlds feder ist.  Ich muss mir nun freilich Ihre meinung erbitten, ob Sie glauben, dass diese dinge in Ihrer Uzeinleitung ausführlich und mit mitteilung der belege gedruckt werden können. Ich fürchte, sie sprengen das ganze, da Sie doch anderes wichtige zu sagen haben und dies kaum in gleicher ausführlichkeit werden behandeln können. Das material steht aber zu Ihren diensten. Wollen Sie einen zs. artikel daraus schmieden, so geb ich Ihnen auch die (nicht auf Uz bezüglichen) lücken, damit doch alles beisammen steht.  Und nun endlich zum schlusse dieses bandwurmbriefes, über den Sie die geduld verlieren werden. Mit dem wunsche, dass die übliche wirkung der hochzeitsbeheiligung (das verlieben und verloben) sich auch an Ihnen bald zeige Ihr  ergebenster  BSeuffert.
8.X 85
Ich kann mich nicht entschliessen, den brief zu überlesen, verzeihen Sie also flüchtigkeiten oder fehler!

<p><supplied>Faksimile fehlt.</supplied></p><p> Würzburg Herzogeng. 5.  7. X 85<lb/><lb/>Lieber freund,<lb/>Zuvörderst meinen herzlichen dank für Ihren freundschaftlichen besuch: wie kurz er war, empfind ich hinterdrein doppelt schwer, wo ich allerlei mit Ihnen besprechen möchte. Als wir aus einander gehen mussten, waren wir erst warm geworden, mein ich. Rechnen Sies meiner natur, nicht meinem willen und meiner gesinnung zu schuld, dass ich zurückhaltend anhebe.  Heyne, so interessant wol auch Ihnen seine bekanntschaft war, hat uns eigentlich gestört und besonders die lange sitzung bei dem leidenden Lexer war zeitvergeudung. Also: das müssen wir bald nachholen.<lb/> Darnach dank für Ihre karte, die mir ein sicherer beweis Ihrer völligen genesung ist, wenn nicht Ihr hiesiger aufenthalt das gleiche schon gezeigt hätte. So frisch haben Sie mir kaum je geschrieben. Die situation bei den 3 Henningern ist kostbar. Ich habe von den herren auch nachricht erhalten: nichts als dass Sie zur Hbiographie bereit seien, wenn ich den verf. zuvor in den DLD mitarbeiten lassen. Schlau sind die schwaben alle! damit umgehen sie die frage um meine meinung, die sie nicht mehr stellen wollten, weil Sie vor mir kamen; und verlangen doch indirekt mein urteil, da sie wissen, dass ich die mitarbeiter so sorgfältig als möglich auswähle. Na, in diesem falle halte ich mich zunächst an Sie.<lb/> Ihre andeutungen über Kürschners hs. sammlung zwingen mir eine frage auf: was will er mit den Müllerpapieren machen? Aber ich begreife vollständig, wenn Sie sich darauf ausschweigen und in Kürschners geschäftsgeheimnis hüllen. Dass in Mannheim viel bedeutenderes liegt als in Berlin, war mir ja nach dem gespräche mit der damaligen besitzerin klar; aber ich hatte nicht lust, mich dadurch von der ganzen arbeit abhalten zu lassen. Ich bin heidenfroh, dass ich so zu rand kam und dass der MM abgeschlossen hinter mir liegt, so abgeschlossen, dass ich mich nicht einmal entschliessen konnte, das oder die briefchen die ich von ihm seit jahren fand zu publicieren. Ich will an diese erstlingsarbeit nicht mehr die hand legen. Aber wenn Sie mit K. über die ausnützung des nachlasses reden, so sorgen Sie doch tunlichst dafür, dass er die briefe, die Weinhold noch besitzt, die welche Yorck von Wartenburg hat (sie sollten in Wagners Archiv kommen und gingen aus dessen nachlass an Yorck zurück, so viel ich weiss) und die sachen, welche Oertel, der ein programm über Müllers jugend schrieb, bewahrt, zusammen bringt, damit man alles auf einmal kriegt. Weinhold und Oertel wollen biographien schreiben, so viel ich weiss. Oertels jetztigen aufenthalt kenne ich nicht. 1875 war er gymnasiallehrer in Wiesbaden. – –<lb/> Richtig, Sie haben mir wirklich ende 1884 geschrieben, dass Sie eine entwicklungsgeschichte deutscher lyrik im 18./9. jhrh. planen! Wie ich das nur vergessen konnte! Wol deswegen weil Sie das entschiedene wort beifügten: Hinab mit dem plan in das chaos! Aber wie wär es, wenn diese verwünschung lügen gestraft würde? Wie schön wäre es! Und dann packen Sie noch gleich eine andere erklärung dazu in den verschlossenen chaosschrank, nemlich die, dass Sie nach dem Uz das edieren aufstecken wollen. Ueberlegen Sie sichs einmal in sonnigen stunden, wenn Sie wandeln, ob Sie nicht die Schillerschen Musenalmanache und auslesen aus Vossischen und dann den Tieckschen neudrucken lassen wollen, gemächlich, nach und nach, und dabei schreiben Sie als einleitungen ein kapitel der entwicklungsgeschichte nach dem andern! Sie setzen Ihren Kleist und Ihren Uz und Ihren Gleim und Ihren Bürger und alle übrigen vorarbeiten voran, und ich folge Ihnen mit neudrucken auf schritt und tritt und eines tages ist die ganze geschichte fix und fertig; das störende detail lassen Sie in meinen vorreden aufgespeichert, das allgemein wichtige heben Sie heraus, fügens zusammen und das buch ist fertig, ohne dass Sies merken. So kommen Sie auf dem bequemen umweg von ausgaben doch zu einem selbständigen buche. Bitte, bitte, bedenken Sie sich das, aber antworten Sie mir nicht rasch mit einem nein! sondern warten Sie reine stunden der besinnung ab.<lb/> Und nun zum Uz!<lb/> Der k. landgerichtsrat Schnizlein in Ansbach, sekretär des histor. vereins schrieb mir: Der histor. verein f. Mittelfranken besitzt von Uzscher korrespondenz lediglich 3 briefe Uz’ an Junkheim. Die schlossbibliothek habe gar nichts. Er persönlich besitze einen Brief Uz’ an seinen grossvater und mehrere stammbucheinzeichnungen.  Uz habe vor tod an die noch lebenden korrespondenten ihre briefe zurückgeschickt (Weisse vor ausg. 1804). Das ist alles.<lb/> Wegen der einrichtung des kritischen apparates schrieb ich Fresenius und erhielt antwort. Die grundverschiedenheit besteht zwischen seiner und Ihrer ausgabe darin, dass er auf dem antiquadruck der vorlage beharrte während der Uz in fraktur gesetzt werden darf.  So muss Fres. für alle seine eigenen zusätze (zb. fehlt, neuer absatz u dgl.) kursive verwenden, wo es bei Ihnen die antiqua tut. Uebrigens gewinnt er dadurch den vorteil die jahreszahlen womit die einzelnen ausgaben bezeichnet werden abzukürzen, d. h. das ‚17‘ weg zu lassen. Und wenn das für Uz auch geschehen soll, so müsste <hi rend="underlined">46, 49, 55</hi> usf auch kursiv gesetzt werden, damit die ziffern von der verszählung abstechen und dann wäre ich der meinung lieber gleich, wie Fres., alle Ihre zusätze kursiv zu setzen und gar keine antiqua zu verwenden. Übrigens spart man ja wol raum durch die beseitigung des ‚17‘, aber ob damit nicht die einfältige denklichkeit etwas beschränkt wird zweifle ich.<lb/> Inzwischen hab ich mir über die einrichtung der ausgabe folgendes erdacht, was, teilweise im widerspruche steht mit dem, was mein langsamer geist Ihnen hier sagte.<lb/> Das auswerfen des druckortes, aus dem der text des betr. gedichtes genommen ist, in [ ] oben links vor überschrift wird doch hässlich und Ihr vorschlag, nach E v Kleist es einzurichten, ist besser. Also<lb/> Vorrede.<lb/> ........<lb/> ______________<lb/> <hi rend="underlined">49</hi>. usf.<lb/> <hi rend="underlined">1</hi> An Herrn Secretar Gleim.<lb/> .....<lb/> ______________<lb/> <hi rend="underlined">1</hi>: <hi rend="underlined">42</hi>. <hi rend="underlined">49</hi> usf.  Die einzelnen jahreszahlensiglen durch punkte getrennt. Darnach verszählung: die ziffern ohne punkt. Nach der variante jahreszahlensiglen, am schlusse kein punkt, nur kleines spatium, dann wider versziffer usf.  Niemals vers 1f. oder 1ff. sondern: 1.2 und 1.2.3 Ist eine serie von jahreszahlsiglen so heisst es <hi rend="underlined">46–04</hi>  Ist eine längere folge von gedichten in gleichen ausgaben vorhanden so würde man der vereinfachung zu liebe schreiben können: <hi rend="underlined">1–10</hi>: <hi rend="underlined">46.49.53.55</hi>. usf. Aber es fragt sich, ob es nicht für die orientierung über das einzelne gedicht besser ist, bei jedem alle ausgaben zu vermerken. So sehr ich für prägnanz des kritischen apparates bin, so sehr scheue ich nachgerade zu viel kürzen. Deswegen möchte ich auch zusätze wie: neuer absatz nicht abgekürzt wissen.<lb/> Nach dem lemma steht ] wie in Ihrem Kleist.<lb/> Geht eine variante durch eine reihe von ausgaben durch, aber so dass eine der gruppe eine kleine eigenheit hat, so wird diese in klammer dazwischen geschoben. Ich exemplificiere nach Fresenius’ Wieland: 2  Herrscht ein Caliph in Bagdads stolzen Mauren (Mauern <hi rend="underlined">98</hi>) Der die Sicilischen Tyrannen <hi rend="underlined">62–98</hi><lb/> Für versbruchstücke oder einen ganzen vers wird keine neue zeile im apparat begonnen. Wenn aber die variante sich auf mehr als einen vers (1 ½ oder mehr) in continuo erstreckt, so wird im apparat mit jedem vers (bezw. wenn der halbvers voran steht in der mitte der zeile) neue zeile begonnen.<lb/> 40  schwebten<lb/> 41 Und vieles pflegt’ er selbst, in deren Zügen<lb/> 42 Von ] Statt <hi rend="underlined">62.70</hi><hi rend="underlined"> </hi> 45  du – selbst ] wie hast du dich <hi rend="underlined">70</hi><lb/> Sollte der fall eintreten, dass in einer der späteren ausgaben starke, mehrere verse umfassende veränderungen eintreten, so wird der ganze passus im apparat mit x x umfangen und die ordnung innerhalb des passus ist so, dass natürlich alle kleinen veränderungen bis zur schlusszeile des passus und dann die grosse variante vom ersten bis zum letzten verse folgt; also einfaches beispiel:  <lb/> x70 sie war <hi rend="underlined">62.70</hi>,  69.70 <hi rend="underlined">fehlen 98</hi>x<lb/> komplicierter:  x439 Vor ] Statt <hi rend="underlined">62.70</hi>,  438 neuen wonniglichen Stande 439 <hi rend="underlined">fehlt 98</hi>x<lb/> Sind bei den varianten neue verse hinzugetreten, so werden die einschiebsel als vers 1a–z gezählt. Ist dagegen die gleiche verszahl geblieben, aber verschiebungen in der reihenfolge sind eingetreten, so wird im apparat nicht der verschobene vers mit der im text ihm gegebenen zahl, sondern nach der neuen ordnung gezählt; also oben steht 1 in ausgabe <hi rend="underlined">46</hi><lb/>2<lb/>3<lb/>4<lb/>5<lb/>In ausgabe <hi rend="underlined">49</hi> wird die ordnung tatsächlich 1.3.2.4.5; so wird aber im apparat nicht beziffert, sondern wider 1.2.3.4.5; die erste u. ziffer muss mit den textversenziffern stimmen.<lb/> Also z. B.<lb/> x179 alle Furcht ] die Gefahr <hi rend="underlined">62</hi><lb/> Indem ein Trank, ein Wunder seiner Kunst,<lb/> 178 Des Fiebers Wuth und die Gefahr des Todes<lb/> 179 In einem Schlaf <hi rend="underlined">70.98</hi>x<lb/> Was im text in der ausgabe <hi rend="underlined">62</hi> in vers 179 stand, steht in ausgaben <hi rend="underlined">70.98</hi> in vers 178 wie Sie an dem identischen ‚die Gefahr‘ sehen.<lb/> Aber so komplicierte fälle kommen hoffentlich bei Ihnen nicht vor. Und es ist wol besser, wenn Sie die güte haben beim stossen auf absonderlichkeiten, mich davon in kenntnis zu setzen, damit wir gemeinsam ordnen, ohne Ihre freiheit zu beeinträchtigen.<lb/> Druckfehlerangaben von belang (also nicht gestürzte u u. dgl.) kommen in den apparat.<lb/> Voraus denke ich mir am schlusse der einleitung ein chronologisches titel(quellen)verzeichnis:  <hi rend="underlined">46</hi>  Die Oden Anakreons ... Frankfurt und Leipzig 1746. 84 S 8<hi rend="underlined">o</hi><lb/> <hi rend="underlined">49</hi>  Lyrische Gedichte. Berlin 1849 ... S. 8<hi rend="underlined">o</hi> usf<lb/> Könnte man nicht hier zugleich statt der paralleltafel, die wir am schlusse planten die zählung der gedichte nach dem neudrucke beifügen? also 1746. 84 S. 8<hi rend="underlined">o</hi> enthält: 1–10. 12–16 usf.?   Und zwar in der reihenfolge des betr. druckes; also etwa enthält: 5.2.10.21.1.7 usf.  Wenn Sie es für nötig halten (ich bin zweifelhaft) lässt sich hier auch gleich die seitenzahl beisetzen; also enthält: S. 1:<hi rend="underlined">5</hi>. S. 2:<hi rend="underlined">2</hi>. S. 3.4:<hi rend="underlined">10</hi> oder umgekehrt 5 (S. 1). 2 (S. 2). 10 (S. 3.4). usf. Dann haben wir, glaub ich, alle finessen erreicht, wenn ich nichts vergesse. Soviel und schon zu viel über die form.<lb/> (Gesammttitel des textes wird wie beim Messiasneudrucke antiqua werden müssen, da er nicht original ist.)<lb/> Nun zur sache.<lb/> Vgl. Böttiger Lit. Zustände und Zeitgenossen 2, 190.<lb/> Hoffmanns Findlinge 1, 304.<lb/> Morgenblatt 22. apr. 1839. nr. 96. s. 382 ohne Uz zu nennen gegen die richtung.<lb/> Dass Uz sich nachrichten über Wld. zutragen liess, ergibt morgenbl. 1840 nr. 284 s. 1135.  1840 nr. 285 s. 1137. 1138.  nr. 286 s. 1143.  nr. 287 s. 1146. 1147.  nr. 292 s. 1165  nr. 292 s. 1166  nr. 293 s. 1171  nr. 294 s. 1174. 1175.  nr. 301 s. 1201.<lb/> Im Bodmernachlass in Zürich, stadtbibl., fand ich einen brief Uz’ an Bodmer; ob er gedruckt, weiss ich jetzt nicht; ich excerpierte mir nur: Anspach 7. janr. 1780. Es schmerze ihn, dass Bodmer immer noch einen gewissen Unwillen gegen ihn nähre, den er nicht verdiene. Er habe B. allzeit hochgeschätzt, B. sei sein erster Lehrer gewesen. Über einige Dichtungsarten sei er anderer Meinung und habe im Feuer der Jugend der Sache des guten Geschmacks schuldig zu sein geglaubt, darüber zu spötteln. ‚Niemand würde darauf geachtet haben, wenn nicht der Wielandische und Duschische* Angriff darauf gefolgt wäre, deren Ursprung ich bloss aus der Schweiz herholen konnte.‘ ... ‚Aber wer denkt mehr an diese Kleinigkeiten?‘ ....<lb/> Ausfälle gegen reindichter s. in Bodmers Crito 1751. [<damage agent="punchHole"><supplied>??</supplied></damage>]<lb/> Ueber den streitanfang vgl. Solkas, von dem Ursprunge des Hasses gegen die Patriarchaden 1758 in Archiv der Schweizerischen Kritick. Zürich 1768 s. 252ff. Zuerst: Freymüthige nachrichten Zürich 1758 st. 10 s. 78ff. st. 11 s. 86f.<lb/> Die Larve, (von Bodmer) 1758. Darin gegen Uz Lottchen.<lb/> Deutsche Litteraturdenkmale 12.  dgl. 18, 264.<lb/> Erdichtetes Schreiben des Verfs. der Lyrischen Gedichte an einen seiner Freude: Freymüthige nachrichten. Zürich 1758. st. VII d. 54–6.  st. 8 s. 60–63. Dazu ‚Gewissenhafter vorbericht zu d. erdichtet. schr.‘  Ebenda st. 9 s. 69f.<lb/><lb/>* d. i. Dusch, Verm u. satyr. schriften. Altona. 1. brf. (<hi rend="underlined">Freym. nachr</hi>. 1759 s. 278f. teilen dies zitat mit, ohne urteil anzuknüpfen.)<lb/><lb/>und will darüber nicht mit ihm sprechen. Das müssten Sie direkt tun. Den inhalt Ihres briefes kennt er.<lb/> Was ich wollte bei der neuen prüfungsordnung – und Schönbach u. die kommission haben meinen antrag angenommen – war bei Deutsch Nebenf. eine kleine hausarbeit, nur eine interpretation eines textes, das ganze vielleicht 6–8 4°seiten. U. zwar deswegen, weil der fall eintreten kann, dass von einem solchen cand. gar nichts deutsch geschriebenes vorliegt; weil ich seinen deutschen stil u. orthographie beurteilen will, wozu andere haus- u. clausurarbeiten keinen anhalt geben; weil ich interpretationskunst für das notwendigste beim gymn. lehrer halte, sie im mündl. zu prüfen zu zeitraubend ist u. sie in andern philol., wo nur das sprl. herrscht, nicht gelernt wird. Darauf gab das hohe ministerium keine antwort als die neue prüfungsordnung, die davon schweigt. –<lb/> Ich muss enden. Nehmen Sie nichts krumm: weder die heimsuchung mit dem endlosen mscpt, noch meine unfähigkeit, Ihren prüfungsorganisationsplan zu unterschätzen. Ich bin eben als forscher u. prüfer ein sklave meiner verhältnisse.<lb/> Im herzlichen treuen<lb/> Ihr<lb/> BSeuffert<lb/><hi rend="underlined">Gratien vom Parnass verjagen! Ist niemand </hi><hi rend="underlined">weis</hi><hi rend="underlined">, als wer nur immer weint?</hi> etc.<lb/> Erlauben Sie mir, Hr. Utz, eine kleine Anmerkung. Es scheint nicht dass Sie die Gratien Homers und Pindars kennen. Das waren gantz andere als die ihrigen. Aber wer verlangt dass man immer weinen, dass man schwehrmüthig seyn soll? Merken sie nicht dass das die gemeinen alltäglichen Ausflüchte lüderlicher Bursche sind, wenn sie von ihren Eltern zu einem anständigen Leben vermahnt werden? Sollte Hr. Utz nicht wissen dass die Tugend mitten zwischen den zween Abwegen liegt Allerdings sollte der Liebling der Gratien wissen was die moral Venus und die moral Graces sind von denen Shaftesbury spricht. Welch ein liebenswürdiger Scribent wären sie gewesen, wenn sie diese Gratien gekannt hätten! Verzeihen Sie diese Abschweiffung. Erato sagt dem armen Jüngling im Traume noch mehr dergleichen spruchreiche Sachen, Ja es kommt in ihrer Rede eine Stelle vor („sie ist in der Bibliothek der schönen Wissenschaften 1. Bd. 2. St. S. 423 angeführt) die recht artig ist. Aber ach! die Muse, Erato, die Muse der Liebe, sagt ihm itzt ohne komplimente, ihm und seinen Freunden: <hi rend="underlined">Man liesst</hi><hi rend="underlined"> euch nicht</hi>. (Das hat der Jüngling nicht gewusst. Wer mag wohl dieser <hi rend="underlined">man</hi> seyn?) und warum liesst man euch nicht? <hi rend="underlined">ihr</hi><hi rend="underlined"> leh</hi><hi rend="underlined">r</hi><hi rend="underlined">t nicht reitzend</hi>, sagt Erato. Sie lehrt ihn darauf, wie einen dummen Knaben, <hi rend="underlined">der Stoff allein machte keine Meisterstücke</hi> u. dgl. der Jüngling wird darüber ganz <hi rend="underlined">toll, er runtzelt die Stirne, er schwöhrt dem heidnischen Parnass und den Musen ewigen Hass</hi>, und so trollt er sich weg und <hi rend="underlined">H. </hi><hi rend="underlined">Utz</hi><hi rend="underlined"> lacht von gantzem Hertzen.</hi> Wie artig können Sie träumen, H.Utz! Wie fein haben Sie mir gesagt wer ich bin, und wie sehr ist ein Mensch, der weil er lebt, den Menschen überhaupt und sein eignes Selbst mehr als irgend etwas anders studiert hat, Ihnen für diese Anecdoten von sich selbst verbunden! Nun weiss ichs endlich, ein einfaltiger, stolzer, unwissender den Grazien und Musen verhasster Jungling, das ich bin, und Sie? sie sind ein Dichter von der ersten Grösse; Sie ein <hi rend="underlined">Myron</hi>, ich <hi rend="underlined">Meister</hi> <hi rend="underlined">Zimmermann</hi>. Wer muss nicht lachen? Ich für meinen Theil muss allemal lachen, wenn mir einfällt was die andre witzige Herren zuweilen aus mir machen wollen. Der Dichter der Bodmerias machte mich zum Schildknappen, zum Sancho Pansa, und liess mich eben so klug reden wie Sie. Das beste ist, dass diese gedichteten Wielande, dem würklichen, den Gott geschaffen hat, nicht so ähnlich sind, als die beyden Sosia beym Plautus einander waren. Doch erlauben Sie mir noch eine Anmerkung im Ernste zu machen. Es scheint Sie suchen etwas darinn mich einen Jüngling zu betiteln. Sie waren wohl auch einmahl ein Jüngling. Aber es giebt, wie sie wissen allerley Jünglinge. Der Jüngling, der in seinem 18<hi rend="underlined">t</hi> Jahre das Gedicht <hi rend="underlined">von der Natur der Dinge</hi> schrieb, that das Werk eines Mannes. Der Jüngling, der die lyrischen Gedichte schrieb, muss entweder, wie jener beym Shakespear wünscht, ewig ein Knabe bleiben, oder die Zeit erleben, da er sich schämen muss, ein Jüngling gewesen zu seyn.  Weil es hier das 1. und letzte mal ist, dass ich dem Publico mit einer Selbstvertheidigung beschwehrlich fallen werde, so muss ich noch einige Dinge sagen, welche für allemal gesagt seyn mögen. Meine Freymüthigkeit wird mir noch manche Insultes zuziehen, eh ich dieses Theater der menschlichen Thorheiten wieder verlassen werde. Es mag seyn. Unvermeidliche und allgemeine Schiksale muss man für bekannt annehmen. Ich lasse mich gerne zurechtweisen, aber nicht einem jeden steht es wohl an, sich zu meinem Lehrer aufzuwerfen.‘  [Die weitere ausführung ist allgemein und ohne direkten bezug auf Utz. Wenn Sie wünschen, kopier ich auch diese seiten noch. Ich hebe aus:]<lb/> ‚Ich habe niemals nur durch eine Zeile beleidigen <hi rend="underlined">wollen</hi>, ob ich gleich zum Schutz der Wahrheit zuweilen Dinge schreiben musste die für Beleidigung aufgenommen wurden.‘ … ‚Die Herren Utze, die Bibliothecaires der Sch. Wiss., die Nicolai, die Verf. der Aesth. Nüsse und Bodmeriaden, haben freye Hand zu thun was Ihnen beliebt. Die Welt wird uns alle richten. Da ich selbst alle Talente hochschätze, und alle wahre Verdienste eben so sehr liebe, als ich die falsche Grösse, den falschen Witz, und den unverdienten Ruhm verachte, und da meine Hauptsorge ist, auch als Schriftsteller und Poet ein Rechtschaffner Mann und ein Menschenfreund zu seyn So sehe ich nicht, warum ich mich weiter mit Leuten abgeben sollte, die ihr niedriges Hertz und die elenden Triebfedern ihrer Handlungen so wenig verbergen können.‘ ....... In welchem litterarischen zusammenhange diese erklärung Wielands steht, habe ich noch nicht untersucht. Dass sie gedruckt ist, glaube ich nicht, aber ich weiss es nicht. Einen teil zu Wlds. Vorrede der Sammlung critischer schriften bildet sie nicht, auch nicht zur vorrede an Sack, und in den Freymüthigen nachrichten jener jahre fand ich sie nicht und kann nicht gut annehmen, dass ich sie da übersah. Aus ungedr. briefen gewinne ich gleichfalls keinen anhaltspunkt.  2) Zwischen hsl. korrespondenz Bodmer in Zürcher stadtbibl. liegen 2 bl. druck, fraktur, 8<hi rend="underlined">o</hi>, s. 35–38 paginiert, norm C 2, C 3. Bodmer schrieb darauf: ‚sollte in die edit. von 1758 kommen, wir haben es verhüthet.‘ Der druck lautet.  ‚Nachricht an den Leser.  Ich muss wegen der Veränderungen, die in der Vorrede vorgenommen worden, einige Nachricht geben. …… Es haben sich einige durch gewisse Stellen der Vorrede beleidiget gefunden. Meine Absicht war nicht, sie zu beleidigen. Der Eifer der mich begeisterte als ich schrieb, war Liebe zur Wahrheit und Religion. Je grösser und reizender diese Gegenstände sind, desto leichter kann die Liebe, welche sie in einer feurigen Seele erweken, in einen Eifer aufwallen, der die Grenzen überschreitet, quos ultra citraque nequit consistere rectum. Ich besorge, dieses sey damals mein Fall gewesen.  Ob ich izt meinen Fehler dadurch gut gemacht, dass ich die beleidigenden Stellen [36] weggelassen habe, weis ich nicht. Indessen bin ich mir bewusst, dass eben die Redlichkeit des Herzens welche sie mich vor zwei Jahren schreiben gemacht, izt Ursach ist, dass ich sie ausstreiche.  Meine Gedanken vom Missbrauch der Poesie sind immer die gleichen. Dieser Missbrauch hat eine Seite, die einen Scribenten der für das Beste der Menschen mehr als gleichgültig ist, gar wol in Eifer seyn darf. Das Urtheil, das ich über den <hi rend="underlined">Verfasser der Lyrischen Gedichte</hi> gesprochen, trift in gewissen Stüken auch einige von meinen jugendlichen Werken. Vielleicht hat H. <hi rend="underlined">Uz</hi>, da er seine muthwilligsten Oden schrieb, sich selbst für eben so unschuldig gehalten, als ich mich unschuldig hielt, da ich die Lyrischen Tändeleyen schrieb, die an den <hi rend="underlined">Anti-Ovid</hi> gedrukt sind. Vielleicht sind die Ausschweifungen von Platonischer Liebe, die in einigen meiner Poesieen herrschen, in ihrer Art eben so verwerflich, als die sinnlichen Ausschweifungen, die in einigen Liedern des H. <hi rend="underlined">Uz</hi> herrschen. Der Wiz und das Herz sind beyde Verführer, denen desto schwerer zu entgehen ist, je mehr Aehnlichkeit mit Wahrheit und Natur sie ihren Eingebungen anzustreichen wissen. Mich dünkt aber, der Ver- [37] fasser der <hi rend="underlined">Lyrischen Gedichte</hi> habe das gleiche Recht wie ich, Vergebung zu erwarten. Das Publicum ist uns diese Nachsicht, und wir sind ihm Bescheidenheit und Besserung schuldig.  Der gedachte Scribent wird es mir nicht übel nehmen, wenn ich hier wiederhole, dass einige seiner Lieder so beschaffen sind, dass er ohne Zweifel selbst izt oder in wenigen Jahren wünschen wird, sie nicht gemacht zu haben. Es haben sich schon sehr grosse Männer in diesem Falle befunden, und dieses kann seyn Trost seyn. Mir wird es in Absicht derselben Lieder wol zu vergeben seyn, wenn ich mein Missfallen in zu starken Ausdrüken bezeugt habe. Dass ich aber einem Poeten, der wegen einer guten Anzahl schöner und artiger Stüke, Achtung verdient, nicht um derselben willen, mit Achtung begegnet bin, dieses war ein grösserer Fehler, und wie kann ich anders als ihn nicht gemacht zu haben wünschen? Ich bin bey dieser Erklärung desto unpartheyischer, da mich, wie ich hoffen darf, wol niemand im Verdacht haben wird, dass ich mich bey dem Verfasser des <hi rend="underlined">Siegs des Liebesgottes</hi> einschmeicheln wolle.‘ … Der rest bezieht sich nicht auf Uz. Das ganze ist unterz.: Zürich 12. april 1758. Meines wissens ist dies blatt wirklich unterdrückt und sein inhalt auch auf keine andere weise öffentlich worden.  Die sache hat aber einen haken. Die von Goedeke angeführte ausgabe 1755 4° der Empfindungen existiert wol nicht.   Die erste ausg. ist von 1757 (besitze ich, Berl. u. Zürich usf.). Zürich stadtbibl. hat eine ‚Zweyte Auflage‘ 1758, welche seiten gleich mit dem druck in Sammlung einiger Prosaischen Schriften von C. M. Wieland. Zweyter Theil. 1758. 8 ist, den ich besitze, also SA aus dieser sammlung. Nun wäre zu erwarten, dass zu dieser ausgabe, in deren Zuschrift an Sack in der tat die 2 auf Uz u. <unclear reason="illegible">Bock</unclear> anfallenden sätze der 1. aufl. (s. 18.19) fehlen, obige Nachricht gesetzt und dann weggelassen wurde; es muss aber von s. 32 an der satz der zuschrift abgebrochen und der ganze dritte bogen neugesetzt worden sein: denn was jetzt s. 35–8 steht schliesst sich eng an das vorhergehende an und ist der rest der alten zuschrift, den Wld. der Nachricht zufolge bei der 2. aufl. hatte weglassen wollen. Dass die Nachricht ein bischen grösseres 8° format hat, verschlägt nichts, da auch bogen 2 der dekretierten ausgabe etwas grösser (wenn auch immer noch kleiner als die Nachricht) als bogen 1 ist.<lb/> Wie wichtig den Zürchern die unterdrückung der Nachricht war, sehe ich aus ff. briefstellen M. Künzli’s – Winterthur an Bodmer:<lb/> 18. mai 1758.  ‚Was will es mit unserm W. werden! Wollen Sie denselben die Nachricht an den Leser, welche beyliegend zurükke kömmt, so wie sie ist, ohne Abänderung druken lassen! Oder ist er wirklich so verstokt dass er sich hierüber nicht will rathen lassen! Einen so formlichen und wirklich kriechenden Wiederruf, der dem Verfasser selber und der guten Sache, die derselbe bis dahin so <unclear reason="illegible">?????</unclear> und hizig verfochten hat, nicht anders als nachtheilig seyn kann, hätte ich von Herrn W. am wenigsten vermuthet. Ich kann seine Absicht, in so ferne er der Tugend treu bleibet, und nicht eigennüzig handelt, nicht errathen; Ich will sagen er hätte Uzen in so weit zu viel gethan dass er nicht mit mehrerer Achtung von ihm als einem wizigen und nicht ungeschikten Poeten geschriben hat, so hat er ihm darinne mit keinem Wort zu viel gethan, dass er gegen seine, zu wirklichen Lastern reizenden Lieder, mit einer seinem moralischen Charakter geziemenden Heftigkeit geeiferet, die Liebe, die Uz lobet, ist wirkliches Laster – – Das ist keine blose Tändelei, wie die von W. gepriesene platonische Liebe; mich wundert dass Wieland nicht erröthet über diese Ungerechtigkeit gegen Sich Selber‘ usf. im gleichen tone.  ‚Nur Wielands Feind kann ihm rathen, dass er dieselbe [die Nachricht] so druken lasse?‘<lb/> 25. mai 1758.  Da er zu kurz in Zürich gewesen, um Bodmer aufzusuchen, berichte er schriftlich über seine unterredung mit Wield. ich sagte ihm ‚warum ich expresse nach Zürich gekommen, ich erzählte demselben, dass ich seine veränderte Zuschrift an H. Sak und die derselben angehängte Nachricht gelesen; stellte ihm die schlimmen folgen vor, wenn er die unanständige abbitte nicht supprimiere. ‚Nachdem ich allso ihm die ganze Lage auf einmal gegeben hatte, striche er die Seegel, und sagte ohne die geringste Einwendung weiter zu machen, er gestehe, dass er nicht geglaubt habe, dass die Sache solche schlimme Folgen haben würde: ich solle nur sagen, wie der Sache am besten zu helfen. Ich schlug ihme vor, die Zuschrift unverändert zu drüken und die Nachricht ganz zu Supprimieren; er sagte, er wolle es thun, und allso den Bogen ganz umdrüken lassen, und die Genealogie wegen Mangel des Plazes an Stat der Nachricht um etwas abgekürzet, dem Druker übergeben.‘  Künzli will zugleich im namen aller freunde u. gönner Wlds. gesprochen habe; Wld. hätte grund zur sorge gehabt, dass Sack von Wld. eine warnung hätte drucken lassen. ‚Um ein Uhr kame er zu mir zur <unclear reason="illegible">Sonnen</unclear> und sagte, dass er schon in der Drukerey gewesen und die verabredeten Anstalten gemacht habe.‘ Vom erfolg dieser unterredung gab Künzli noch in Zürich in einem billete Breitinger kunde: ‚Mit gegenwärtigem habe Ihro Hochwürden nur melden wollen dass Herr Wieland die Nachricht will Supprimirn,‘ … Dies undatierte billet versah Bodmer mit dem beisatz: ‚Zürich den 22. May 1758 ex aedibus zur Sonne.‘ <lb/> 5. brachmonat (juni) 1758 schreibt K. ferner an Bodmer: ‚Nun bin ich wegen einem so baldigen Rükfall unsers Hrn. W. unbesorget, Eberts Brief muss ihn nothwendig in dem guten stärken; der lässt ihm keinen Zweifel übrig, dass wenn er seine kriechende Abbitte gethan, er es auch mit den rechtschafnen Deutschen verdorben hätte.‘ Auch pfarrer Ehrhart, auf den Wld. etwas halte, billige die unterdrückung.<lb/> Den brief Eberts kenne ich nicht.  Das ist alles was ich aus ungedr. quellen über Wlds. verhältnis zu Uz besitze. Auch sonst habe ich nichts über Uz notiert, was etwa nur die stimmung der Schweizer anginge. Nur eine anzeige der Lyr. lieder in den Freymüthigen nachrichten 1755 s. 310 finde ich eben noch, die möglicher weise aus Wlds feder ist.  Ich muss mir nun freilich Ihre meinung erbitten, ob Sie glauben, dass diese dinge in Ihrer Uzeinleitung ausführlich und mit mitteilung der belege gedruckt werden können. Ich fürchte, sie sprengen das ganze, da Sie doch anderes wichtige zu sagen haben und dies kaum in gleicher ausführlichkeit werden behandeln können. Das material steht aber zu Ihren diensten. Wollen Sie einen zs. artikel daraus schmieden, so geb ich Ihnen auch die (nicht auf Uz bezüglichen) lücken, damit doch alles beisammen steht.  Und nun endlich zum schlusse dieses bandwurmbriefes, über den Sie die geduld verlieren werden. Mit dem wunsche, dass die übliche wirkung der <unclear reason="illegible">hochzeitsbeheiligung</unclear> (das verlieben und verloben) sich auch an Ihnen bald zeige Ihr  ergebenster  BSeuffert.<lb/>8.X 85<lb/>Ich kann mich nicht entschliessen, den brief zu überlesen, verzeihen Sie also flüchtigkeiten oder fehler!</p>

Das erste Treffen zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert fand im Herbst 1885 in Würzburg statt.

Zuvörderst meinen herzlichen dank für Ihren freundschaftlichen besuch: wie kurz er war, empfind ich hinterdrein doppelt schwer, wo ich allerlei mit Ihnen besprechen möchte. Als wir aus einander gehen mussten, waren wir erst warm geworden, mein ich. Rechnen Sies meiner natur, nicht meinem willen und meiner gesinnung zu schuld, dass ich zurückhaltend anhebe.

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        <title level="a" n="1">Bernhard Seuffert an August Sauer in Graz<lb/>Würzburg, 7. Oktober 1885 (Mittwoch)</title>
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    <body><p><supplied>Faksimile fehlt.</supplied></p><p> Würzburg Herzogeng. 5.  7. X 85<lb/><lb/>Lieber freund,<lb/>Zuvörderst meinen herzlichen dank für Ihren freundschaftlichen besuch: wie kurz er war, empfind ich hinterdrein doppelt schwer, wo ich allerlei mit Ihnen besprechen möchte. Als wir aus einander gehen mussten, waren wir erst warm geworden, mein ich. Rechnen Sies meiner natur, nicht meinem willen und meiner gesinnung zu schuld, dass ich zurückhaltend anhebe.  Heyne, so interessant wol auch Ihnen seine bekanntschaft war, hat uns eigentlich gestört und besonders die lange sitzung bei dem leidenden Lexer war zeitvergeudung. Also: das müssen wir bald nachholen.<lb/> Darnach dank für Ihre karte, die mir ein sicherer beweis Ihrer völligen genesung ist, wenn nicht Ihr hiesiger aufenthalt das gleiche schon gezeigt hätte. So frisch haben Sie mir kaum je geschrieben. Die situation bei den 3 Henningern ist kostbar. Ich habe von den herren auch nachricht erhalten: nichts als dass Sie zur Hbiographie bereit seien, wenn ich den verf. zuvor in den DLD mitarbeiten lassen. Schlau sind die schwaben alle! damit umgehen sie die frage um meine meinung, die sie nicht mehr stellen wollten, weil Sie vor mir kamen; und verlangen doch indirekt mein urteil, da sie wissen, dass ich die mitarbeiter so sorgfältig als möglich auswähle. Na, in diesem falle halte ich mich zunächst an Sie.<lb/> Ihre andeutungen über Kürschners hs. sammlung zwingen mir eine frage auf: was will er mit den Müllerpapieren machen? Aber ich begreife vollständig, wenn Sie sich darauf ausschweigen und in Kürschners geschäftsgeheimnis hüllen. Dass in Mannheim viel bedeutenderes liegt als in Berlin, war mir ja nach dem gespräche mit der damaligen besitzerin klar; aber ich hatte nicht lust, mich dadurch von der ganzen arbeit abhalten zu lassen. Ich bin heidenfroh, dass ich so zu rand kam und dass der MM abgeschlossen hinter mir liegt, so abgeschlossen, dass ich mich nicht einmal entschliessen konnte, das oder die briefchen die ich von ihm seit jahren fand zu publicieren. Ich will an diese erstlingsarbeit nicht mehr die hand legen. Aber wenn Sie mit K. über die ausnützung des nachlasses reden, so sorgen Sie doch tunlichst dafür, dass er die briefe, die Weinhold noch besitzt, die welche Yorck von Wartenburg hat (sie sollten in Wagners Archiv kommen und gingen aus dessen nachlass an Yorck zurück, so viel ich weiss) und die sachen, welche Oertel, der ein programm über Müllers jugend schrieb, bewahrt, zusammen bringt, damit man alles auf einmal kriegt. Weinhold und Oertel wollen biographien schreiben, so viel ich weiss. Oertels jetztigen aufenthalt kenne ich nicht. 1875 war er gymnasiallehrer in Wiesbaden. – –<lb/> Richtig, Sie haben mir wirklich ende 1884 geschrieben, dass Sie eine entwicklungsgeschichte deutscher lyrik im 18./9. jhrh. planen! Wie ich das nur vergessen konnte! Wol deswegen weil Sie das entschiedene wort beifügten: Hinab mit dem plan in das chaos! Aber wie wär es, wenn diese verwünschung lügen gestraft würde? Wie schön wäre es! Und dann packen Sie noch gleich eine andere erklärung dazu in den verschlossenen chaosschrank, nemlich die, dass Sie nach dem Uz das edieren aufstecken wollen. Ueberlegen Sie sichs einmal in sonnigen stunden, wenn Sie wandeln, ob Sie nicht die Schillerschen Musenalmanache und auslesen aus Vossischen und dann den Tieckschen neudrucken lassen wollen, gemächlich, nach und nach, und dabei schreiben Sie als einleitungen ein kapitel der entwicklungsgeschichte nach dem andern! Sie setzen Ihren Kleist und Ihren Uz und Ihren Gleim und Ihren Bürger und alle übrigen vorarbeiten voran, und ich folge Ihnen mit neudrucken auf schritt und tritt und eines tages ist die ganze geschichte fix und fertig; das störende detail lassen Sie in meinen vorreden aufgespeichert, das allgemein wichtige heben Sie heraus, fügens zusammen und das buch ist fertig, ohne dass Sies merken. So kommen Sie auf dem bequemen umweg von ausgaben doch zu einem selbständigen buche. Bitte, bitte, bedenken Sie sich das, aber antworten Sie mir nicht rasch mit einem nein! sondern warten Sie reine stunden der besinnung ab.<lb/> Und nun zum Uz!<lb/> Der k. landgerichtsrat Schnizlein in Ansbach, sekretär des histor. vereins schrieb mir: Der histor. verein f. Mittelfranken besitzt von Uzscher korrespondenz lediglich 3 briefe Uz’ an Junkheim. Die schlossbibliothek habe gar nichts. Er persönlich besitze einen Brief Uz’ an seinen grossvater und mehrere stammbucheinzeichnungen.  Uz habe vor tod an die noch lebenden korrespondenten ihre briefe zurückgeschickt (Weisse vor ausg. 1804). Das ist alles.<lb/> Wegen der einrichtung des kritischen apparates schrieb ich Fresenius und erhielt antwort. Die grundverschiedenheit besteht zwischen seiner und Ihrer ausgabe darin, dass er auf dem antiquadruck der vorlage beharrte während der Uz in fraktur gesetzt werden darf.  So muss Fres. für alle seine eigenen zusätze (zb. fehlt, neuer absatz u dgl.) kursive verwenden, wo es bei Ihnen die antiqua tut. Uebrigens gewinnt er dadurch den vorteil die jahreszahlen womit die einzelnen ausgaben bezeichnet werden abzukürzen, d. h. das ‚17‘ weg zu lassen. Und wenn das für Uz auch geschehen soll, so müsste <hi rend="underlined">46, 49, 55</hi> usf auch kursiv gesetzt werden, damit die ziffern von der verszählung abstechen und dann wäre ich der meinung lieber gleich, wie Fres., alle Ihre zusätze kursiv zu setzen und gar keine antiqua zu verwenden. Übrigens spart man ja wol raum durch die beseitigung des ‚17‘, aber ob damit nicht die einfältige denklichkeit etwas beschränkt wird zweifle ich.<lb/> Inzwischen hab ich mir über die einrichtung der ausgabe folgendes erdacht, was, teilweise im widerspruche steht mit dem, was mein langsamer geist Ihnen hier sagte.<lb/> Das auswerfen des druckortes, aus dem der text des betr. gedichtes genommen ist, in [ ] oben links vor überschrift wird doch hässlich und Ihr vorschlag, nach E v Kleist es einzurichten, ist besser. Also<lb/> Vorrede.<lb/> ........<lb/> ______________<lb/> <hi rend="underlined">49</hi>. usf.<lb/> <hi rend="underlined">1</hi> An Herrn Secretar Gleim.<lb/> .....<lb/> ______________<lb/> <hi rend="underlined">1</hi>: <hi rend="underlined">42</hi>. <hi rend="underlined">49</hi> usf.  Die einzelnen jahreszahlensiglen durch punkte getrennt. Darnach verszählung: die ziffern ohne punkt. Nach der variante jahreszahlensiglen, am schlusse kein punkt, nur kleines spatium, dann wider versziffer usf.  Niemals vers 1f. oder 1ff. sondern: 1.2 und 1.2.3 Ist eine serie von jahreszahlsiglen so heisst es <hi rend="underlined">46–04</hi>  Ist eine längere folge von gedichten in gleichen ausgaben vorhanden so würde man der vereinfachung zu liebe schreiben können: <hi rend="underlined">1–10</hi>: <hi rend="underlined">46.49.53.55</hi>. usf. Aber es fragt sich, ob es nicht für die orientierung über das einzelne gedicht besser ist, bei jedem alle ausgaben zu vermerken. So sehr ich für prägnanz des kritischen apparates bin, so sehr scheue ich nachgerade zu viel kürzen. Deswegen möchte ich auch zusätze wie: neuer absatz nicht abgekürzt wissen.<lb/> Nach dem lemma steht ] wie in Ihrem Kleist.<lb/> Geht eine variante durch eine reihe von ausgaben durch, aber so dass eine der gruppe eine kleine eigenheit hat, so wird diese in klammer dazwischen geschoben. Ich exemplificiere nach Fresenius’ Wieland: 2  Herrscht ein Caliph in Bagdads stolzen Mauren (Mauern <hi rend="underlined">98</hi>) Der die Sicilischen Tyrannen <hi rend="underlined">62–98</hi><lb/> Für versbruchstücke oder einen ganzen vers wird keine neue zeile im apparat begonnen. Wenn aber die variante sich auf mehr als einen vers (1 ½ oder mehr) in continuo erstreckt, so wird im apparat mit jedem vers (bezw. wenn der halbvers voran steht in der mitte der zeile) neue zeile begonnen.<lb/> 40  schwebten<lb/> 41 Und vieles pflegt’ er selbst, in deren Zügen<lb/> 42 Von ] Statt <hi rend="underlined">62.70</hi><hi rend="underlined"> </hi> 45  du – selbst ] wie hast du dich <hi rend="underlined">70</hi><lb/> Sollte der fall eintreten, dass in einer der späteren ausgaben starke, mehrere verse umfassende veränderungen eintreten, so wird der ganze passus im apparat mit x x umfangen und die ordnung innerhalb des passus ist so, dass natürlich alle kleinen veränderungen bis zur schlusszeile des passus und dann die grosse variante vom ersten bis zum letzten verse folgt; also einfaches beispiel:  <lb/> x70 sie war <hi rend="underlined">62.70</hi>,  69.70 <hi rend="underlined">fehlen 98</hi>x<lb/> komplicierter:  x439 Vor ] Statt <hi rend="underlined">62.70</hi>,  438 neuen wonniglichen Stande 439 <hi rend="underlined">fehlt 98</hi>x<lb/> Sind bei den varianten neue verse hinzugetreten, so werden die einschiebsel als vers 1a–z gezählt. Ist dagegen die gleiche verszahl geblieben, aber verschiebungen in der reihenfolge sind eingetreten, so wird im apparat nicht der verschobene vers mit der im text ihm gegebenen zahl, sondern nach der neuen ordnung gezählt; also oben steht 1 in ausgabe <hi rend="underlined">46</hi><lb/>2<lb/>3<lb/>4<lb/>5<lb/>In ausgabe <hi rend="underlined">49</hi> wird die ordnung tatsächlich 1.3.2.4.5; so wird aber im apparat nicht beziffert, sondern wider 1.2.3.4.5; die erste u. ziffer muss mit den textversenziffern stimmen.<lb/> Also z. B.<lb/> x179 alle Furcht ] die Gefahr <hi rend="underlined">62</hi><lb/> Indem ein Trank, ein Wunder seiner Kunst,<lb/> 178 Des Fiebers Wuth und die Gefahr des Todes<lb/> 179 In einem Schlaf <hi rend="underlined">70.98</hi>x<lb/> Was im text in der ausgabe <hi rend="underlined">62</hi> in vers 179 stand, steht in ausgaben <hi rend="underlined">70.98</hi> in vers 178 wie Sie an dem identischen ‚die Gefahr‘ sehen.<lb/> Aber so komplicierte fälle kommen hoffentlich bei Ihnen nicht vor. Und es ist wol besser, wenn Sie die güte haben beim stossen auf absonderlichkeiten, mich davon in kenntnis zu setzen, damit wir gemeinsam ordnen, ohne Ihre freiheit zu beeinträchtigen.<lb/> Druckfehlerangaben von belang (also nicht gestürzte u u. dgl.) kommen in den apparat.<lb/> Voraus denke ich mir am schlusse der einleitung ein chronologisches titel(quellen)verzeichnis:  <hi rend="underlined">46</hi>  Die Oden Anakreons ... Frankfurt und Leipzig 1746. 84 S 8<hi rend="underlined">o</hi><lb/> <hi rend="underlined">49</hi>  Lyrische Gedichte. Berlin 1849 ... S. 8<hi rend="underlined">o</hi> usf<lb/> Könnte man nicht hier zugleich statt der paralleltafel, die wir am schlusse planten die zählung der gedichte nach dem neudrucke beifügen? also 1746. 84 S. 8<hi rend="underlined">o</hi> enthält: 1–10. 12–16 usf.?   Und zwar in der reihenfolge des betr. druckes; also etwa enthält: 5.2.10.21.1.7 usf.  Wenn Sie es für nötig halten (ich bin zweifelhaft) lässt sich hier auch gleich die seitenzahl beisetzen; also enthält: S. 1:<hi rend="underlined">5</hi>. S. 2:<hi rend="underlined">2</hi>. S. 3.4:<hi rend="underlined">10</hi> oder umgekehrt 5 (S. 1). 2 (S. 2). 10 (S. 3.4). usf. Dann haben wir, glaub ich, alle finessen erreicht, wenn ich nichts vergesse. Soviel und schon zu viel über die form.<lb/> (Gesammttitel des textes wird wie beim Messiasneudrucke antiqua werden müssen, da er nicht original ist.)<lb/> Nun zur sache.<lb/> Vgl. Böttiger Lit. Zustände und Zeitgenossen 2, 190.<lb/> Hoffmanns Findlinge 1, 304.<lb/> Morgenblatt 22. apr. 1839. nr. 96. s. 382 ohne Uz zu nennen gegen die richtung.<lb/> Dass Uz sich nachrichten über Wld. zutragen liess, ergibt morgenbl. 1840 nr. 284 s. 1135.  1840 nr. 285 s. 1137. 1138.  nr. 286 s. 1143.  nr. 287 s. 1146. 1147.  nr. 292 s. 1165  nr. 292 s. 1166  nr. 293 s. 1171  nr. 294 s. 1174. 1175.  nr. 301 s. 1201.<lb/> Im Bodmernachlass in Zürich, stadtbibl., fand ich einen brief Uz’ an Bodmer; ob er gedruckt, weiss ich jetzt nicht; ich excerpierte mir nur: Anspach 7. janr. 1780. Es schmerze ihn, dass Bodmer immer noch einen gewissen Unwillen gegen ihn nähre, den er nicht verdiene. Er habe B. allzeit hochgeschätzt, B. sei sein erster Lehrer gewesen. Über einige Dichtungsarten sei er anderer Meinung und habe im Feuer der Jugend der Sache des guten Geschmacks schuldig zu sein geglaubt, darüber zu spötteln. ‚Niemand würde darauf geachtet haben, wenn nicht der Wielandische und Duschische* Angriff darauf gefolgt wäre, deren Ursprung ich bloss aus der Schweiz herholen konnte.‘ ... ‚Aber wer denkt mehr an diese Kleinigkeiten?‘ ....<lb/> Ausfälle gegen reindichter s. in Bodmers Crito 1751. [<damage agent="punchHole"><supplied>??</supplied></damage>]<lb/> Ueber den streitanfang vgl. Solkas, von dem Ursprunge des Hasses gegen die Patriarchaden 1758 in Archiv der Schweizerischen Kritick. Zürich 1768 s. 252ff. Zuerst: Freymüthige nachrichten Zürich 1758 st. 10 s. 78ff. st. 11 s. 86f.<lb/> Die Larve, (von Bodmer) 1758. Darin gegen Uz Lottchen.<lb/> Deutsche Litteraturdenkmale 12.  dgl. 18, 264.<lb/> Erdichtetes Schreiben des Verfs. der Lyrischen Gedichte an einen seiner Freude: Freymüthige nachrichten. Zürich 1758. st. VII d. 54–6.  st. 8 s. 60–63. Dazu ‚Gewissenhafter vorbericht zu d. erdichtet. schr.‘  Ebenda st. 9 s. 69f.<lb/><lb/>* d. i. Dusch, Verm u. satyr. schriften. Altona. 1. brf. (<hi rend="underlined">Freym. nachr</hi>. 1759 s. 278f. teilen dies zitat mit, ohne urteil anzuknüpfen.)<lb/><lb/>und will darüber nicht mit ihm sprechen. Das müssten Sie direkt tun. Den inhalt Ihres briefes kennt er.<lb/> Was ich wollte bei der neuen prüfungsordnung – und Schönbach u. die kommission haben meinen antrag angenommen – war bei Deutsch Nebenf. eine kleine hausarbeit, nur eine interpretation eines textes, das ganze vielleicht 6–8 4°seiten. U. zwar deswegen, weil der fall eintreten kann, dass von einem solchen cand. gar nichts deutsch geschriebenes vorliegt; weil ich seinen deutschen stil u. orthographie beurteilen will, wozu andere haus- u. clausurarbeiten keinen anhalt geben; weil ich interpretationskunst für das notwendigste beim gymn. lehrer halte, sie im mündl. zu prüfen zu zeitraubend ist u. sie in andern philol., wo nur das sprl. herrscht, nicht gelernt wird. Darauf gab das hohe ministerium keine antwort als die neue prüfungsordnung, die davon schweigt. –<lb/> Ich muss enden. Nehmen Sie nichts krumm: weder die heimsuchung mit dem endlosen mscpt, noch meine unfähigkeit, Ihren prüfungsorganisationsplan zu unterschätzen. Ich bin eben als forscher u. prüfer ein sklave meiner verhältnisse.<lb/> Im herzlichen treuen<lb/> Ihr<lb/> BSeuffert<lb/><hi rend="underlined">Gratien vom Parnass verjagen! Ist niemand </hi><hi rend="underlined">weis</hi><hi rend="underlined">, als wer nur immer weint?</hi> etc.<lb/> Erlauben Sie mir, Hr. Utz, eine kleine Anmerkung. Es scheint nicht dass Sie die Gratien Homers und Pindars kennen. Das waren gantz andere als die ihrigen. Aber wer verlangt dass man immer weinen, dass man schwehrmüthig seyn soll? Merken sie nicht dass das die gemeinen alltäglichen Ausflüchte lüderlicher Bursche sind, wenn sie von ihren Eltern zu einem anständigen Leben vermahnt werden? Sollte Hr. Utz nicht wissen dass die Tugend mitten zwischen den zween Abwegen liegt Allerdings sollte der Liebling der Gratien wissen was die moral Venus und die moral Graces sind von denen Shaftesbury spricht. Welch ein liebenswürdiger Scribent wären sie gewesen, wenn sie diese Gratien gekannt hätten! Verzeihen Sie diese Abschweiffung. Erato sagt dem armen Jüngling im Traume noch mehr dergleichen spruchreiche Sachen, Ja es kommt in ihrer Rede eine Stelle vor („sie ist in der Bibliothek der schönen Wissenschaften 1. Bd. 2. St. S. 423 angeführt) die recht artig ist. Aber ach! die Muse, Erato, die Muse der Liebe, sagt ihm itzt ohne komplimente, ihm und seinen Freunden: <hi rend="underlined">Man liesst</hi><hi rend="underlined"> euch nicht</hi>. (Das hat der Jüngling nicht gewusst. Wer mag wohl dieser <hi rend="underlined">man</hi> seyn?) und warum liesst man euch nicht? <hi rend="underlined">ihr</hi><hi rend="underlined"> leh</hi><hi rend="underlined">r</hi><hi rend="underlined">t nicht reitzend</hi>, sagt Erato. Sie lehrt ihn darauf, wie einen dummen Knaben, <hi rend="underlined">der Stoff allein machte keine Meisterstücke</hi> u. dgl. der Jüngling wird darüber ganz <hi rend="underlined">toll, er runtzelt die Stirne, er schwöhrt dem heidnischen Parnass und den Musen ewigen Hass</hi>, und so trollt er sich weg und <hi rend="underlined">H. </hi><hi rend="underlined">Utz</hi><hi rend="underlined"> lacht von gantzem Hertzen.</hi> Wie artig können Sie träumen, H.Utz! Wie fein haben Sie mir gesagt wer ich bin, und wie sehr ist ein Mensch, der weil er lebt, den Menschen überhaupt und sein eignes Selbst mehr als irgend etwas anders studiert hat, Ihnen für diese Anecdoten von sich selbst verbunden! Nun weiss ichs endlich, ein einfaltiger, stolzer, unwissender den Grazien und Musen verhasster Jungling, das ich bin, und Sie? sie sind ein Dichter von der ersten Grösse; Sie ein <hi rend="underlined">Myron</hi>, ich <hi rend="underlined">Meister</hi> <hi rend="underlined">Zimmermann</hi>. Wer muss nicht lachen? Ich für meinen Theil muss allemal lachen, wenn mir einfällt was die andre witzige Herren zuweilen aus mir machen wollen. Der Dichter der Bodmerias machte mich zum Schildknappen, zum Sancho Pansa, und liess mich eben so klug reden wie Sie. Das beste ist, dass diese gedichteten Wielande, dem würklichen, den Gott geschaffen hat, nicht so ähnlich sind, als die beyden Sosia beym Plautus einander waren. Doch erlauben Sie mir noch eine Anmerkung im Ernste zu machen. Es scheint Sie suchen etwas darinn mich einen Jüngling zu betiteln. Sie waren wohl auch einmahl ein Jüngling. Aber es giebt, wie sie wissen allerley Jünglinge. Der Jüngling, der in seinem 18<hi rend="underlined">t</hi> Jahre das Gedicht <hi rend="underlined">von der Natur der Dinge</hi> schrieb, that das Werk eines Mannes. Der Jüngling, der die lyrischen Gedichte schrieb, muss entweder, wie jener beym Shakespear wünscht, ewig ein Knabe bleiben, oder die Zeit erleben, da er sich schämen muss, ein Jüngling gewesen zu seyn.  Weil es hier das 1. und letzte mal ist, dass ich dem Publico mit einer Selbstvertheidigung beschwehrlich fallen werde, so muss ich noch einige Dinge sagen, welche für allemal gesagt seyn mögen. Meine Freymüthigkeit wird mir noch manche Insultes zuziehen, eh ich dieses Theater der menschlichen Thorheiten wieder verlassen werde. Es mag seyn. Unvermeidliche und allgemeine Schiksale muss man für bekannt annehmen. Ich lasse mich gerne zurechtweisen, aber nicht einem jeden steht es wohl an, sich zu meinem Lehrer aufzuwerfen.‘  [Die weitere ausführung ist allgemein und ohne direkten bezug auf Utz. Wenn Sie wünschen, kopier ich auch diese seiten noch. Ich hebe aus:]<lb/> ‚Ich habe niemals nur durch eine Zeile beleidigen <hi rend="underlined">wollen</hi>, ob ich gleich zum Schutz der Wahrheit zuweilen Dinge schreiben musste die für Beleidigung aufgenommen wurden.‘ … ‚Die Herren Utze, die Bibliothecaires der Sch. Wiss., die Nicolai, die Verf. der Aesth. Nüsse und Bodmeriaden, haben freye Hand zu thun was Ihnen beliebt. Die Welt wird uns alle richten. Da ich selbst alle Talente hochschätze, und alle wahre Verdienste eben so sehr liebe, als ich die falsche Grösse, den falschen Witz, und den unverdienten Ruhm verachte, und da meine Hauptsorge ist, auch als Schriftsteller und Poet ein Rechtschaffner Mann und ein Menschenfreund zu seyn So sehe ich nicht, warum ich mich weiter mit Leuten abgeben sollte, die ihr niedriges Hertz und die elenden Triebfedern ihrer Handlungen so wenig verbergen können.‘ ....... In welchem litterarischen zusammenhange diese erklärung Wielands steht, habe ich noch nicht untersucht. Dass sie gedruckt ist, glaube ich nicht, aber ich weiss es nicht. Einen teil zu Wlds. Vorrede der Sammlung critischer schriften bildet sie nicht, auch nicht zur vorrede an Sack, und in den Freymüthigen nachrichten jener jahre fand ich sie nicht und kann nicht gut annehmen, dass ich sie da übersah. Aus ungedr. briefen gewinne ich gleichfalls keinen anhaltspunkt.  2) Zwischen hsl. korrespondenz Bodmer in Zürcher stadtbibl. liegen 2 bl. druck, fraktur, 8<hi rend="underlined">o</hi>, s. 35–38 paginiert, norm C 2, C 3. Bodmer schrieb darauf: ‚sollte in die edit. von 1758 kommen, wir haben es verhüthet.‘ Der druck lautet.  ‚Nachricht an den Leser.  Ich muss wegen der Veränderungen, die in der Vorrede vorgenommen worden, einige Nachricht geben. …… Es haben sich einige durch gewisse Stellen der Vorrede beleidiget gefunden. Meine Absicht war nicht, sie zu beleidigen. Der Eifer der mich begeisterte als ich schrieb, war Liebe zur Wahrheit und Religion. Je grösser und reizender diese Gegenstände sind, desto leichter kann die Liebe, welche sie in einer feurigen Seele erweken, in einen Eifer aufwallen, der die Grenzen überschreitet, quos ultra citraque nequit consistere rectum. Ich besorge, dieses sey damals mein Fall gewesen.  Ob ich izt meinen Fehler dadurch gut gemacht, dass ich die beleidigenden Stellen [36] weggelassen habe, weis ich nicht. Indessen bin ich mir bewusst, dass eben die Redlichkeit des Herzens welche sie mich vor zwei Jahren schreiben gemacht, izt Ursach ist, dass ich sie ausstreiche.  Meine Gedanken vom Missbrauch der Poesie sind immer die gleichen. Dieser Missbrauch hat eine Seite, die einen Scribenten der für das Beste der Menschen mehr als gleichgültig ist, gar wol in Eifer seyn darf. Das Urtheil, das ich über den <hi rend="underlined">Verfasser der Lyrischen Gedichte</hi> gesprochen, trift in gewissen Stüken auch einige von meinen jugendlichen Werken. Vielleicht hat H. <hi rend="underlined">Uz</hi>, da er seine muthwilligsten Oden schrieb, sich selbst für eben so unschuldig gehalten, als ich mich unschuldig hielt, da ich die Lyrischen Tändeleyen schrieb, die an den <hi rend="underlined">Anti-Ovid</hi> gedrukt sind. Vielleicht sind die Ausschweifungen von Platonischer Liebe, die in einigen meiner Poesieen herrschen, in ihrer Art eben so verwerflich, als die sinnlichen Ausschweifungen, die in einigen Liedern des H. <hi rend="underlined">Uz</hi> herrschen. Der Wiz und das Herz sind beyde Verführer, denen desto schwerer zu entgehen ist, je mehr Aehnlichkeit mit Wahrheit und Natur sie ihren Eingebungen anzustreichen wissen. Mich dünkt aber, der Ver- [37] fasser der <hi rend="underlined">Lyrischen Gedichte</hi> habe das gleiche Recht wie ich, Vergebung zu erwarten. Das Publicum ist uns diese Nachsicht, und wir sind ihm Bescheidenheit und Besserung schuldig.  Der gedachte Scribent wird es mir nicht übel nehmen, wenn ich hier wiederhole, dass einige seiner Lieder so beschaffen sind, dass er ohne Zweifel selbst izt oder in wenigen Jahren wünschen wird, sie nicht gemacht zu haben. Es haben sich schon sehr grosse Männer in diesem Falle befunden, und dieses kann seyn Trost seyn. Mir wird es in Absicht derselben Lieder wol zu vergeben seyn, wenn ich mein Missfallen in zu starken Ausdrüken bezeugt habe. Dass ich aber einem Poeten, der wegen einer guten Anzahl schöner und artiger Stüke, Achtung verdient, nicht um derselben willen, mit Achtung begegnet bin, dieses war ein grösserer Fehler, und wie kann ich anders als ihn nicht gemacht zu haben wünschen? Ich bin bey dieser Erklärung desto unpartheyischer, da mich, wie ich hoffen darf, wol niemand im Verdacht haben wird, dass ich mich bey dem Verfasser des <hi rend="underlined">Siegs des Liebesgottes</hi> einschmeicheln wolle.‘ … Der rest bezieht sich nicht auf Uz. Das ganze ist unterz.: Zürich 12. april 1758. Meines wissens ist dies blatt wirklich unterdrückt und sein inhalt auch auf keine andere weise öffentlich worden.  Die sache hat aber einen haken. Die von Goedeke angeführte ausgabe 1755 4° der Empfindungen existiert wol nicht.   Die erste ausg. ist von 1757 (besitze ich, Berl. u. Zürich usf.). Zürich stadtbibl. hat eine ‚Zweyte Auflage‘ 1758, welche seiten gleich mit dem druck in Sammlung einiger Prosaischen Schriften von C. M. Wieland. Zweyter Theil. 1758. 8 ist, den ich besitze, also SA aus dieser sammlung. Nun wäre zu erwarten, dass zu dieser ausgabe, in deren Zuschrift an Sack in der tat die 2 auf Uz u. <unclear reason="illegible">Bock</unclear> anfallenden sätze der 1. aufl. (s. 18.19) fehlen, obige Nachricht gesetzt und dann weggelassen wurde; es muss aber von s. 32 an der satz der zuschrift abgebrochen und der ganze dritte bogen neugesetzt worden sein: denn was jetzt s. 35–8 steht schliesst sich eng an das vorhergehende an und ist der rest der alten zuschrift, den Wld. der Nachricht zufolge bei der 2. aufl. hatte weglassen wollen. Dass die Nachricht ein bischen grösseres 8° format hat, verschlägt nichts, da auch bogen 2 der dekretierten ausgabe etwas grösser (wenn auch immer noch kleiner als die Nachricht) als bogen 1 ist.<lb/> Wie wichtig den Zürchern die unterdrückung der Nachricht war, sehe ich aus ff. briefstellen M. Künzli’s – Winterthur an Bodmer:<lb/> 18. mai 1758.  ‚Was will es mit unserm W. werden! Wollen Sie denselben die Nachricht an den Leser, welche beyliegend zurükke kömmt, so wie sie ist, ohne Abänderung druken lassen! Oder ist er wirklich so verstokt dass er sich hierüber nicht will rathen lassen! Einen so formlichen und wirklich kriechenden Wiederruf, der dem Verfasser selber und der guten Sache, die derselbe bis dahin so <unclear reason="illegible">?????</unclear> und hizig verfochten hat, nicht anders als nachtheilig seyn kann, hätte ich von Herrn W. am wenigsten vermuthet. Ich kann seine Absicht, in so ferne er der Tugend treu bleibet, und nicht eigennüzig handelt, nicht errathen; Ich will sagen er hätte Uzen in so weit zu viel gethan dass er nicht mit mehrerer Achtung von ihm als einem wizigen und nicht ungeschikten Poeten geschriben hat, so hat er ihm darinne mit keinem Wort zu viel gethan, dass er gegen seine, zu wirklichen Lastern reizenden Lieder, mit einer seinem moralischen Charakter geziemenden Heftigkeit geeiferet, die Liebe, die Uz lobet, ist wirkliches Laster – – Das ist keine blose Tändelei, wie die von W. gepriesene platonische Liebe; mich wundert dass Wieland nicht erröthet über diese Ungerechtigkeit gegen Sich Selber‘ usf. im gleichen tone.  ‚Nur Wielands Feind kann ihm rathen, dass er dieselbe [die Nachricht] so druken lasse?‘<lb/> 25. mai 1758.  Da er zu kurz in Zürich gewesen, um Bodmer aufzusuchen, berichte er schriftlich über seine unterredung mit Wield. ich sagte ihm ‚warum ich expresse nach Zürich gekommen, ich erzählte demselben, dass ich seine veränderte Zuschrift an H. Sak und die derselben angehängte Nachricht gelesen; stellte ihm die schlimmen folgen vor, wenn er die unanständige abbitte nicht supprimiere. ‚Nachdem ich allso ihm die ganze Lage auf einmal gegeben hatte, striche er die Seegel, und sagte ohne die geringste Einwendung weiter zu machen, er gestehe, dass er nicht geglaubt habe, dass die Sache solche schlimme Folgen haben würde: ich solle nur sagen, wie der Sache am besten zu helfen. Ich schlug ihme vor, die Zuschrift unverändert zu drüken und die Nachricht ganz zu Supprimieren; er sagte, er wolle es thun, und allso den Bogen ganz umdrüken lassen, und die Genealogie wegen Mangel des Plazes an Stat der Nachricht um etwas abgekürzet, dem Druker übergeben.‘  Künzli will zugleich im namen aller freunde u. gönner Wlds. gesprochen habe; Wld. hätte grund zur sorge gehabt, dass Sack von Wld. eine warnung hätte drucken lassen. ‚Um ein Uhr kame er zu mir zur <unclear reason="illegible">Sonnen</unclear> und sagte, dass er schon in der Drukerey gewesen und die verabredeten Anstalten gemacht habe.‘ Vom erfolg dieser unterredung gab Künzli noch in Zürich in einem billete Breitinger kunde: ‚Mit gegenwärtigem habe Ihro Hochwürden nur melden wollen dass Herr Wieland die Nachricht will Supprimirn,‘ … Dies undatierte billet versah Bodmer mit dem beisatz: ‚Zürich den 22. May 1758 ex aedibus zur Sonne.‘ <lb/> 5. brachmonat (juni) 1758 schreibt K. ferner an Bodmer: ‚Nun bin ich wegen einem so baldigen Rükfall unsers Hrn. W. unbesorget, Eberts Brief muss ihn nothwendig in dem guten stärken; der lässt ihm keinen Zweifel übrig, dass wenn er seine kriechende Abbitte gethan, er es auch mit den rechtschafnen Deutschen verdorben hätte.‘ Auch pfarrer Ehrhart, auf den Wld. etwas halte, billige die unterdrückung.<lb/> Den brief Eberts kenne ich nicht.  Das ist alles was ich aus ungedr. quellen über Wlds. verhältnis zu Uz besitze. Auch sonst habe ich nichts über Uz notiert, was etwa nur die stimmung der Schweizer anginge. Nur eine anzeige der Lyr. lieder in den Freymüthigen nachrichten 1755 s. 310 finde ich eben noch, die möglicher weise aus Wlds feder ist.  Ich muss mir nun freilich Ihre meinung erbitten, ob Sie glauben, dass diese dinge in Ihrer Uzeinleitung ausführlich und mit mitteilung der belege gedruckt werden können. Ich fürchte, sie sprengen das ganze, da Sie doch anderes wichtige zu sagen haben und dies kaum in gleicher ausführlichkeit werden behandeln können. Das material steht aber zu Ihren diensten. Wollen Sie einen zs. artikel daraus schmieden, so geb ich Ihnen auch die (nicht auf Uz bezüglichen) lücken, damit doch alles beisammen steht.  Und nun endlich zum schlusse dieses bandwurmbriefes, über den Sie die geduld verlieren werden. Mit dem wunsche, dass die übliche wirkung der <unclear reason="illegible">hochzeitsbeheiligung</unclear> (das verlieben und verloben) sich auch an Ihnen bald zeige Ihr  ergebenster  BSeuffert.<lb/>8.X 85<lb/>Ich kann mich nicht entschliessen, den brief zu überlesen, verzeihen Sie also flüchtigkeiten oder fehler!</p></body>
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