Brief von August Sauer an Bernhard Seuffert in Graz am 17. September 1903. Donnerstag

Prag 17/9 03
Smichow 586

Lieber Freund!
 Vielen, vielen Dank für die inhaltsreiche Rezension; sollte ich – was ich im Augenblick nicht mit Sicherheit sagen kann – Ihre beiden Rezensionen auf 2 Hefte verteilen müssen, so bitte ich Sie das mit den festen Abmachungen zu entschuldigen, die mir die Hände binden.
 Wenn die Wielandausgabe zu Stande kommt, so ist das das grösste Glück Ihres Lebens. Sie haben

<p>Prag 17/9 03<lb/>Smichow 586<lb/><lb/>Lieber Freund!<lb/> Vielen, vielen Dank für die inhaltsreiche Rezension; sollte ich – was ich im Augenblick nicht mit Sicherheit sagen kann – Ihre beiden Rezensionen auf 2 Hefte verteilen müssen, so bitte ich Sie das mit den festen Abmachungen zu entschuldigen, die mir die Hände binden.<lb/> Wenn die Wielandausgabe zu Stande kommt, so ist das das grösste Glück Ihres Lebens. Sie haben
noch viel mehr einen Mittelpunkt als bisher, Sie sind dafür gerüstet und Sie haben Aussicht, eine wirklich bedeutende Leistung in die Welt zu setzen[.] Bedenken von Ihrer Seite sollten, wenn man Ihnen halbwegs vernünftig entgegenkommt, gar nicht auftauchen. Nehmen Sie zu Mitarbeitern aber nur solche Leute, die Sie genau kennen, die Sie sich entweder selbst dazu erzogen haben oder die andre dazu erzogen haben. Es ist ein jäm[mer]liches Arbeiten mit Halbdilettanten oder Vertretern andrer Disciplinen, die gar nicht wissen, was wir wollen. So macht mir die Stifterausgabe, die übrigens ein Kinderspiel ist
<pb/>noch viel mehr einen Mittelpunkt als bisher, Sie sind dafür gerüstet und Sie haben Aussicht, eine wirklich bedeutende Leistung in die Welt zu setzen<damage agent="punchHole"><supplied>[.]</supplied></damage> Bedenken von Ihrer Seite sollten, wenn man Ihnen halbwegs vernünftig entgegenkommt, gar nicht auftauchen. Nehmen Sie zu Mitarbeitern aber nur solche Leute, die Sie genau kennen, die Sie sich entweder selbst dazu erzogen haben oder die andre dazu erzogen haben. Es ist ein jäm<damage agent="punchHole"><supplied>[mer]</supplied></damage>liches Arbeiten mit Halbdilettanten oder Vertretern andrer Disciplinen, die gar nicht wissen, was wir wollen. So macht mir die Stifterausgabe, die übrigens ein Kinderspiel ist
im Vergleich zu Ihrer Riesenarbeit, dreifache Mühe deshalb, weil mein Mitarbeiter Horcicka, so grosse Verdienste er sonst hat [u]nd ohne den mehrere Bände kaum zu machen gewesen wären, weil er das Material dazu vor uns in Händen hatte, von Philologie keine Ahnung hat. Fresenius? In Greifswald ist ein gewisser J. Steinberger, wenn ich nicht irre, der mir für die DLD die Comischen Erzählungen angetragen hat (Behr gieng nicht darauf ein); [d]a er ein Schüler Roethes zu sein scheint, so werden Sie Auskunft über ihn leicht bekommen können. Gerne stellte ich mich Ihnen selber zur Verfügung. Aber vor 2-3 Jahren könnte
<pb/>im Vergleich zu Ihrer Riesenarbeit, dreifache Mühe deshalb, weil mein Mitarbeiter Horcicka, so grosse Verdienste er sonst hat <damage agent="punchHole"><supplied>[u]</supplied></damage>nd ohne den mehrere Bände kaum zu machen gewesen wären, weil er das Material dazu <hi rend="underlined">vor</hi> uns in Händen hatte, von Philologie keine Ahnung hat. Fresenius? In Greifswald ist ein gewisser J. Steinberger, wenn ich nicht irre, der mir für die DLD die Comischen Erzählungen angetragen hat (Behr gieng <hi rend="underlined">nicht</hi> darauf ein); <damage agent="punchHole"><supplied>[d]</supplied></damage>a er ein Schüler Roethes zu sein scheint, so werden Sie Auskunft über ihn leicht bekommen können. Gerne stellte ich mich Ihnen selber zur Verfügung. Aber vor 2-3 Jahren könnte
ich nicht, selbst wenn die Grillparzer-Ausgabe nicht zu Stande kommt; und dann sehne ich mich nach andern – darstellenden – Arbeiten, wenn [di]e Kraft dazu noch reicht. Junge Kräfte sind für solche Arbeiten weitaus die bessern.
 Ich bin in der 1. Hälfte Oktober in Wien, habe viele u. unangenehme Geschäfte dort, das unangenehmste, den Euphorion weiter zu sichern. Meine Adresse ist: V[III] Schlösselgasse, Hotel Hammerand. Doch treffen mich Briefe auch unter meiner Prager Adresse.
 Seien Sie herzlichst gegrüsst von Ihrem
 Treulichst erg.
 ASauer.
<pb/>ich nicht, selbst wenn die Grillparzer-Ausgabe nicht zu Stande kommt; und dann sehne ich mich nach andern – darstellenden – Arbeiten, wenn <damage agent="punchHole"><supplied>[di]</supplied></damage>e Kraft dazu noch reicht. Junge Kräfte sind für solche Arbeiten weitaus die bessern.<lb/> Ich bin in der 1. Hälfte Oktober in Wien, habe viele u. unangenehme Geschäfte dort, das unangenehmste, den Euphorion weiter zu sichern. Meine Adresse ist: V<damage agent="punchHole"><supplied>[III]</supplied></damage> Schlösselgasse, Hotel Hammerand. Doch treffen mich Briefe auch unter meiner Prager Adresse.<lb/> Seien Sie herzlichst gegrüsst von Ihrem<lb/> Treulichst erg.<lb/> ASauer.</p>

Sauer beglückwünschte Seuffert nochmals zur Wielandausgabe und spendete seinem Freund motivierende Worte.

Wenn die Wielandausgabe zu Stande kommt, so ist das das grösste Glück Ihres Lebens. Sie haben noch viel mehr einen Mittelpunkt als bisher, Sie sind dafür gerüstet und Sie haben Aussicht, eine wirklich bedeutende Leistung in die Welt zu setzen[.]

Die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Adalbert Horčička bei der Stifterausgabe gestaltete sich schwierig.

So macht mir die Stifterausgabe, die übrigens ein Kinderspiel ist im Vergleich zu Ihrer Riesenarbeit, dreifache Mühe deshalb, weil mein Mitarbeiter Horcicka, so grosse Verdienste er sonst hat [u]nd ohne den mehrere Bände kaum zu machen gewesen wären, weil er das Material dazu vor uns in Händen hatte, von Philologie keine Ahnung hat.

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        <title level="a" n="1">August Sauer an Bernhard Seuffert in Graz<lb/>Prag, 17. September 1903 (Donnerstag)</title>
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